Polen nach der Wahl: Kaczynskis Fehler

Buchautor Jaroslaw Kaczynski

Buchautor Jaroslaw Kaczynski,

Am Mittwoch, den 19.10. beschäftigen sich Rzeczpospolita und Gazeta Wyborcza mit der Wahlkampf-Fehlern der PiS. Aufmacher der Zeitungen war landesweit das Eingeständnis Kaczynskis, die Sache mit Angela Merkel, sei sein persönlicher Fehler gewesen.

Jaroslaw Kaczynski hatte der Rzeczpolspolita zu einem Gespräch zur Verfügung gestanden und gestand ein, die Bemerkungen über Angela Merkel in seinem Buch Polska naszych marzen (Das Polen unserer Träume) seien ausschließlich sein Fehler gewesen. Kaczynski hatte dort über die Bundeskanzlerin geschrieben:

„Ich glaube nicht, daß Angela Merkels Kanzlerschaft das Ergebnis eines reinen Zufalls war. Doch will ich diesen Faden hier nicht weiter spinnen. Das überlasse ich Politologen und Historikern. Wichtig ist, daß Angela Merkel von eine zwar sanfte Polen, aber dennoch eine Unterordnung erwartet. Ich erinnere mich noch an unsere erste Begegnung im Restaurant des Sejm. Damals war Merkel noch nicht Bundeskanzlerin. Wir saßen am Mittagstisch und sie beschwerte sich über alles. Sie fragte dann nach unserer Beteiligung am Irak-Krieg und ich antwortete, es sei schwierig über den Irak zu reden, wenn Deutschland die Teilnahme am Irak-Feldzug verweigert. Sie drängte darauf, dass wir eine ähnliche Position wie Deutschland einnehmen. Polen sollte also genau das tun, was Deutschland machte. Auch Helmut Kohl hatte früher übrigens eine ähnliche Einstellung Polen gegenüber.“

Gemeint war mit dem Nicht-Zufall eine Machteroberung Merkels durch Stasi-Seilschaften.Weiter hatte Kaczynski geschrieben, dass Deutschland an einem neuen Imperialismus werkele, in dem die Achse mit Moskau zementiert werde.

Kaczynski hatte vor Erscheinen des Buchs alle Warnungen in den Wind geschlagen, dass diese Aussagen politischen Gegnern direkt in die Karten spielen würden und nur der Mobilisierung von proeuropäischen Tusk-Wählern dienen würden. Kaczynski entschied sich dennoch für die Publikation der kritischen Worte und bereut diesen Schritt heute. Die konservative Tageszeitung Rzeczpospolita sieht in diesen kritischen Passagen aus Kaczynskis Buch einen der Gründe für die Wahlniederlage seiner Partei Recht und Gerechtigkeit.

Polens Staatspräsident Bronislaw Komorowski hat Kaczynski inzwischen aufgefordert, sich für den Buchinhalt zu entschuldigen.  Außenminister Radoslaw Sikorski appellierete an die PiS-Mitglieder, die polnisch-deutschen Beziehungen nicht zu ruinieren.

Als Hauptgrund für die Wahlniederlage jedoch sieht Kaczynski in seinem Gespräch mit der Rzeczpospolita eine sehr erfolgreichen Videospot der PO, in dem ultrakonservative Demonstranten bei Gewaltanwendungen sowie gewalttätige Hooligans  gezeigt wurden. Der Spot schloss mit dem Satz: „Sie gehen zur Wahl, und Du?“ Außerdem habe die PO auf eine exzeptionell gute Rückendeckung in der polnischen Presse vertrauen können.

 

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Brigitte Jäger-Dabek kennt Polen seit vielen Jahren und ist als freie Journalistin Polen-Expertin. Sie ist Autorin des preisgekrönten Buchs "Länderporträt Polen".