Polen: Vor 30 Jahren ruft General Jaruzelski das Kriegsrecht aus

13.12.1981- Jaruzelskis Fernsehansprache: “Der Staatsrat hat heute um Mitternacht über das ganze Land den Kriegszustand verhängt.”

Polen gedachte am 13. Dezember der Ausrufung des Kriegsrechts durch General Wojciech Jaruzelski. Am 13. Dezember 1981 wurde morgens um 6:00 Uhr von General Wojciech Jaruzelski das Kriegsrecht in Polen verkündet. Damit wurde der politische Reformprozess gestoppt, der im August 1980 mit der Gründung der unabhängigen Gewerkschaft Solidarnosc einen ersten Höhepunkt hatte.

Wojciech Jaruzelski, der damals an der Spitze des „Militärrats der nationalen Rettung“ stand, ist heute ein schwer kranker, hochbetagter Mann und befindet sich wegen einer Chemotherapie in einem Warschauer Krankenhaus. In einem Interview erklärte er zur Verhängung des Kriegsrechts, er entschuldige sich dafür, würde es aber wieder tun.

Lech Walesa, Ex-Präsident Polens, Friedensnobelpreisträger und Held jener Tage sagte bei einem Telefoninterview der polnischen Tageszeitung „Gazeta Wyborcza“, dieser Tag sei für kein Anlass für eine Feier. Er feiere keine Niederlagen, und jener Tag sei eine Niederlage gewesen, erklärte der Danziger. Im Dezember 1981 habe das polnische Volk friedlich für Reformen demonstriert, die Staatsmacht aber habe mit Panzern geantwortet.

Es sei nun an der Zeit zu prüfen, ob tatsächlich wie Wojciech Jaruzelski bis heute behauptet, eine Invasion der Sowjetmacht bevorgestanden habe. Wenn das so gewesen sei, müsse man die damaligen Handlungen anders bewerten, fügte es versöhnend an. Man müsse nun alles politisch und historisch überprüfen, alles aufarbeiten und daraus Lehren für die Zukunft ziehen. Das bis heute Schlimme am damaligen Kriegszustand über Polen sei die hier einsetzende Teilung des polnischen Volks. Vor dem Kriegsrecht habe eine einige Nation für die gemeinsame Sache gekämpft und eben dieser Zusammenhalt sei durch die Ausrufung des Kriegsrechts nachhaltig zerstört worden. Davon habe sich Polen bis heute nicht erholt, die Gräben seien tief, beurteilt Walesa die Folgen.

Ministerpräsident Donald Tusk war damals genauso im politischen Untergrund, wie viele andere heutige Spitzenpolitiker des Landes und sagte anlässlich des Jahrestages, der Kriegszustand habe nicht nur die Chancen des polnischen Volks auf etwas mehr Souveränität und bessere Lebensbedingungen zerstört, es war für jeden Polen auch ein ganz individueller Schlag. Staatspräsident Komorowski bedauerte die bis heute fehlende juristische Aufarbeitung der Kriegsrechtszeit.

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Brigitte Jäger-Dabek kennt Polen seit vielen Jahren und ist als freie Journalistin Polen-Expertin. Sie ist Autorin des preisgekrönten Buchs "Länderporträt Polen".