Schloss Stettin im neuen Glanz

Schloss der Pommerschen Herzöge in Stettin, Foto: Pa3Widzi, CC-BY-SA-3.0

Schloss der Pommerschen Herzöge in Stettin, Foto: Pa3Widzi, CC-BY-SA-3.0 

Fünf Jahre haben die Umbau- und Renovierungsarbeiten im Stettiner Schloss der Pommerschen Herzöge in Szczecin (Stettin) gedauert, nun strahlt es in neuem Glanz. Nicht nur der ganze Nordflügel wurde dazu erneuert, auch der Sitz der Stettiner Oper wurde runderneuert.

Nordflügel im Stettiner Schloss erneuert

Der historische Nordflügel des Schlosses der Pommerschen Herzöge in Szczecin (Stettin) wurde jetzt feierlich wiedereröffnet. Bei umfangreichen Modernisierungsarbeiten erhielt der als Veranstaltungsraum genutzte Herzog-Boguslav-Saal eine neue Bühnentechnik. Im prachtvollen Saal und dem gesamten Trakt wurden die Renaissanceelemente wieder hergestellt. Die herzögliche Krypta beherbergt nun erstmals seit 1945 wieder die sterblichen Überreste der Greifenfürsten. Während der fast zweijährigen Modernisierungsarbeiten erlebten die Konservatoren zudem eine Überraschung. Mit den Überresten des Steinernen Hauses fanden sie historische Spuren des ältesten Fürstensitzes im Bereich der Stettiner Altstadt.

In seiner jetzigen Form entstand das Stettiner Schloss im späten 16. Jahrhundert. Der heutige Herzog-Boguslav-Saal wurde damals als Schlosskirche erbaut, die Krypta diente als herzögliche Grablege. Der neuen prachtvollen Renaissance-Residenz mussten das ältere Steinerne Haus und die Ottenkirche weichen. Dieser erste Fürstensitz war um 1346 von Herzog Barnim III. gegen den Willen der damaligen Stadtväter errichtet worden. Sein Vorfahr Barnim I. hatte einen Eid abgelegt, dass weder er noch seine Nachkommen innerhalb eines Kreises von drei Meilen um die Stadtmauern herum ihren Sitz beziehen würden. Hundert Jahre später hatte Barnim III. seine Macht aber schon so weit ausgebaut, dass sich die Patrizier schließlich seinem Willen beugen mussten.

Überreste des Steinernen Hauses sowie der mittelalterlichen Umfassungsmauer können Besucher nun im unterhalb des Herzog-Boguslav-Saals gelegenen Vorraum der Krypta besichtigen. Ein transparenter Bodenbelag gibt den Blick auf die historischen Mauern frei. Die Krypta selbst wurde bereits im Jahre 1654 verschlossen. Zuvor war der Greifenfürst Boguslaw XIV. dort beigesetzt worden. Wegen eines Nachfolgestreites, der in der Teilung Pommerns zwischen Schweden und Brandenburg mündete, konnte dessen Leichnam erst 17 Jahre nach seinem Tod dort die letzte Ruhe finden. 1946 fanden die neuen polnischen Behörden unter den Trümmern des Schlosses den Zugang zur Krypta.

Von den 14 reich verzierten Sarkophagen, die Ende der 1940er Jahre zur Konservierung nach Kraków (Krakau) gelangten, kamen später nur sechs nach Stettin ins Schlossmuseum zurück. Besucher können diese im Stil der Renaissance angefertigten Sarkophage nun wieder an ihrem angestammten Platz besichtigen. Die Kunstwerke zeigen Texte aus dem Alten und Neuen Testament, das Wappen der Greifenherzöge sowie Szenen aus der Bibel und Inschriften, die Zeugnis über das Leben der Verstorbenen ablegen. Der nach dem Zweiten Weltkrieg als Grabbeigabe gefundene Greifenschatz ist im Muzeum Narodowe (Nationalmuseum) von Stettin ausgestellt.

Prachtvoll anzusehen ist der restaurierte Herzog-Boguslaw-Saal. Die ehemalige Schlosskirche erhielt eine moderne Bühne nebst Veranstaltungstechnik, neuer Bestuhlung und Heizung. Der Saal erhielt darüber hinaus seine frühere Ausstattung im Stil der Renaissance zurück. Auf der Grundlage von Fotografien aus dem frühen 20. Jahrhundert wurden Wand- und Deckenmalereien, Honigwabenfenster, das Eichenparkett der Emporen und historische Metallgitter wiederhergestellt. Der Fußbodenbelag orientiert sich am erhaltenen Ziegelboden der Krypta aus dem 16. Jahrhundert.

Auch sämtliche andere Räume sowie die Fassade des Nordflügels erhielten eine an die Renaissance angelehnte Wandgestaltung. Darüber hinaus wurden Holzelemente, Fußböden und Fenster erneuert. Zudem wurde der gesamte Gebäudeflügel barrierefrei gestaltet und die ursprüngliche Tordurchfahrt an ihrem angestammten Ort wiedererrichtet. In der historischen Wieza Dzwonów (Glockenturm) können Gäste künftig eine Ausstellung zu den Wehranlagen Stettins sehen. Der Aussichtspunkt, der einen Blick auf die Oderlandschaft ermöglicht, ist nach der Modernisierung auch durch einen Aufzug erschlossen. Ganz neu ist auch die Aussichtsplattform auf dem Dach des Nordflügels. Sie soll künftig als Veranstaltungsort für Konzerte und Theatervorführungen genutzt werden.

Die Modernisierungsarbeiten schlugen mit insgesamt etwa sechs Millionen Euro zu Buche. Mehr als die Hälfte davon stammt aus EU-Fördermitteln. Das Schloss der Pommerschen Herzöge wurde im Zweiten Weltkrieg weitestgehend zerstört und von 1958 bis 1980 wiederaufgebaut. Es dient heute als einer der zentralen Veranstaltungsorte für Polens westlichste Hafenstadt. In der markanten Anlage befinden sich ein Museum, Veranstaltungsräume, ein Kino, ein Restaurant sowie die Stettiner Oper.

Oper im Stettiner Schloss wiedereröffnet

Fünf Jahre haben die Umbauarbeiten gedauert und es hat sich gelohnt. Im November bezog die Oper von Szczecin (Stettin) ihren renovierten Sitz auf dem Schloss der pommerschen Herzöge. Die vollkommen neu konzipierten Räume genügen höchsten künstlerischen Ansprüchen und passen sich dennoch gekonnt in das historische Ensemble ein.

Nachdem bereits im Oktober der prachtvolle Nordflügel mit dem Herzog-Boguslav-Saal eröffnet wurde, sind nun die Räumlichkeiten der Opera na zamku (Oper im Schloss) im West-, Süd- und Ostflügel an der Reihe. Mit einer großen Gala wurde am 20. November die Wiedereröffnung gefeiert, danach schließen sich Festtage bis zum 30. November an.

Als Aufführungssaal dient künftig der gesamte Südflügel des Schlosses in Stettin. Der Zuschauerraum bietet Platz für bis zu 600 Personen. Der moderne Bühnenbereich kann durch eine herausfahrbare Plattform erweitert werden, die den Orchestergraben abdeckt. So sollen dort künftig auch andere Veranstaltungen wie Theateraufführungen, Konferenzen und Symposien stattfinden. Auch der Ballett- und der Kammermusiksaal wurden umgebaut. In Teilen des Westflügels befinden sich die Verwaltung, Probenräume, Magazin und Arbeitsräume der Oper. Kassen, Garderobe und Publikumszone haben Platz im Ostflügel. Die gesamte Anlage wurde zudem barrierefrei realisiert.

Eine neue Attraktion wurde zudem in der dritten Etage des Gefängnisturmes für Besucher freigegeben. Organisierte Gruppen können dort künftig einen Raum mit polychromen Malereien aus dem 16. Jahrhundert besuchen. Das einzige erhaltene Beispiel manieristischer Malerei in Stettin wurde bereits in den 1970er Jahren entdeckt und nun im Zuge der Arbeiten an der Oper restauriert. Die Wand- und Deckenmalereien zeigen Pflanzenmuster, Obstknospen, Engelsfiguren mit Instrumenten und Masken. Wer dieses prächtige Zimmer einst bewohnt hat, konnte jedoch nicht geklärt werden.

Weitere Informationen:

(Quelle: Polnisches Fremdenverkehrsamt)

Über Brigitte Jaeger-Dabek 1450 Artikel
Brigitte Jäger-Dabek kennt Polen seit vielen Jahren und ist als freie Journalistin Polen-Expertin. Sie ist Autorin des preisgekrönten Buchs "Länderporträt Polen".