Staatstrauer nach der Kollision zweier Züge im Süden Polens

Mindestens 16 Tote und über 60 Verletzte, die Hälfte davon schwer, das ist die vorläufige Bilanz des schwersten Zugunglücks in Polen seit 1990, als beim Zusammenstoß zweier Vorortzüge bei Warschau 16 Menschen starben. Am Samstag waren gegen 21 Uhr bei der Ortschaft Szczekociny zwei mit wahrscheinlich rund 350 Insassen Personenzüge auf einer eingleisigen Strecke mit Tempo 120 frontal zusammengestoßen.

Wie die polnische Bahn PKP mitteilte, war ein Zug von Przemysl nach Krakau unterwegs, der andere auf der Fahrt von Warschau nach Krakau aus noch unklarer Ursache auf dem selben Gleis unterwegs. Bei der rund 80 Kilometer von Krakau entfernten Ortschaft Szczekociny prallten die beiden Züge offenbar ungebremst – eine Notbremsung konnte bisher nicht erkannt werden – frontal aufeinander. Mehrere Wagen sprangen aus den Gleisen und verkeilten sich regelrecht in- und übereinander.

Die Gleise um Szczekociny gleichen einem Schlachtfeld. Dies sei die schlimmste Katastrophe seit Jahren, sagte Ministerpräsident Donald Tusk, der ebenso wie Innenminister Jacek Cichocki an den Unglücksort gekommen war. Verkehrsminister Slawomir Nowak erklärte im polnischen Fernsehen, die Suche nach der Unfallursache könnte Monate dauern, am technischen Zustand von Schienenanlagen und Zügen habe das Unglück wohl nicht gelegen fügte Nowak an. Inzwischen haben polnische Behörden das Ermittlungsverfahren eingeleitet. Inzwischen wurden zwei Fahrdienstleiter festgenommen, in deren Obliegenheit die Koordinierung des Verkehrs auf der Unglücksstrecke gelegen haben soll.

Der polnische Staatspräsident Komorowski lobte das solidarische Engegement der Bewohner von Szczekociny, die nach dem Unglück in großer Zahl zum Unglücksort eilten und versuchten zu helfen, viele schlugen Fensterscheiden der Wagen ein, damit die Passagiere sich befreien konnten, brachten Decken und heiße Getränke.
Für heute und morgen ist in Polen eine zweitägige Staatstrauer angesetzt.

Video des polnischen Fernsehsenders TVP 1:

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Brigitte Jäger-Dabek kennt Polen seit vielen Jahren und ist als freie Journalistin Polen-Expertin. Sie ist Autorin des preisgekrönten Buchs "Länderporträt Polen".