Warschau: Das Kreuz bleibt

Das Holzkreuz für die Opfer des Flugzeugabsturzes von Smolensk, unter denen sich am 10. April auch das Präsidentenpaar Kaczynski befand, bleibt zunächst vor dem Warschauer Präsidentenpalast stehen. Das Kreuz war von Pfadfindern aufgestellt worden. Als es am Montag nach einer Einigung zwischen Präsidentenkanzlei, Kirche und Pfadfindern in die St.Anna-Kirche verbracht werden sollte, wurde es von Hunderten „Kreuzwächtern“ im Handgemenge unter Gewaltanwendung  mit Parolen wie „Kampf bis zum Tod“ verteidigt. Sie stammen aus dem Lager der ultrakatholischen Rechten und der Kaczynski-Partei PiS. Die Präsidentenkanzlei beschloss darauf  in Absprache mit der Kirche und den Pfadfindern, die Verlegung auf unbestimmte Zeit zu verschieben.

Alle hätten bei dieser Schlacht unter dem Kreuz verloren, meint die Gazeta Wyborcza auf der Titelseite (Bitwe pod krzyzem przegrali wszyscy). Die Kirche habe die Gläubigen nicht bei der Stange halten können. Der Staat habe offenbart, dass er ein säkulares Polen  nicht durchsetzen kann, denn er ist so schwach, dass ein paar hundert Protestierende reichen, damit er sich von seinem Vorhaben, abbringen ließ. Triumphiert hätten so Anarchie und Fanatismus. Die Gazeta Wyborcza wirft dabei der PiS vor, die Emotionen angeheizt zu haben, was wesentlich zum Geschehen vor dem Präsidentenpalast beigetragen habe.

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Brigitte Jäger-Dabek kennt Polen seit vielen Jahren und ist als freie Journalistin Polen-Expertin. Sie ist Autorin des preisgekrönten Buchs "Länderporträt Polen".