Wirtschaft: Polen mit Außenhandelsüberschuss

Außenhandel: Von Polen in die Welt, Foto: Andrzej Otrebski, CC BY-SA 3.0

Außenhandel: Von Polen in die Welt,

Polens Wirtschaft ist weiterhin im Aufwind. Mittlerweile ist aus dem Außenhandelsdefizit des Vorjahrs von 4,53 Milliarden Zloty ein überraschend satter Außenhandelsüberschuss von 11,97 Zloty im ersten Halbjahr 2015 geworden. Damit stieg auch Polens Exportvolumen um 6,3 Prozent auf 363,3 Milliarden Zloty. Doch auch der Import legte um 1,6% auf 351,3 Milliarden Zloty zu. Und das, obwohl die Exporte in die Ukraine und nach Russland regelrecht einbrachen und in die Ukraine um ein Drittel zurückgingen, nach Russland sanken sie gar um 42,6 Prozent.

Diese aktuellen Zahlen publizierte das polnische Statistische Hauptamt (Glowny Urzad Statystyczny, GUS). Der Wandel vom Außenhandelsdefizit von 4,53 Milliarden Zloty hin zu einem Überschuss von 11,97 Milliarden Zloty binnen eines halben Jahrs beruht auf der wachsenden Aktivität polnischer Unternehmen auf internationalen Märkten. Diese positive Tendenz konnte trotz der Ukraine-Krise erwirtschaftet werden. Die Exporte in die Ukraine fielen um 28,1 Prozent auf nur mehr 1,46 Milliarden DU-Dollar, die Ausfuhren nach Russland um 42,6 Prozent auf nur noch 2,77 Milliarden US-Dollar. Hauptsächlich davon betroffen ist die polnische Lebensmittelbranche durch das EU-Embargo der Russen. Die polnischen Importe aus Russland hingegen sanken nur um 3,3 Prozent auf 10,6 Milliarden US-Dollar.

Insgesamt zeigt sich hier ein Entwicklungstrend im Außenhandel Polens, der die Bedeutung des Handelspartners Russland weiter sinken sieht, zugunsten der Handelspartner Deutschland, Großbritannien und Tschechien.

Von einer befürchteten Verlangsamung des Wirtschaftswachstums kann derzeit keine Rede sein. Auch Experten wie die Volkswirtin Magdalena Polan von Goldmann Sachs sehen den wachsenden Export auch weiterhin als einen wichtigen Wachstumsmotor an. Dazu verbessere sich die Lage auf dem Arbeitsmarkt langsam aber beständig, was wiederum die polnischen Verbraucher zum Konsum ermuntere. Auch die Aussichten für wachsende private und staatliche Investitionen sieht Magdalena Polan als Garanten des stabilen Wachstums.

Ähnlich sehen das die Analysten der Bank PKO BP, die ihre Prognose für das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts BIP für 2015 bereits auf 3,8 Prozent erhöhten. Dabei werden die Wachstumsaussichten für das zweite Halbjahr 2015 sogar als noch besser erwartet. Dann kann das Wirtschaftswachstum in Polen sogar gegenüber dem Vorjahr sogar vier Prozent betragen, erklärte der Volkswirt Michal Rot, ein Experte der Bank PKO BP.

Über Brigitte Jaeger-Dabek 1450 Artikel
Brigitte Jäger-Dabek kennt Polen seit vielen Jahren und ist als freie Journalistin Polen-Expertin. Sie ist Autorin des preisgekrönten Buchs "Länderporträt Polen".