Polen: Der Apfelkrieg mit Russland

Esst Äpfel gegen Putin, Foto: Schuyler, CC-BY-2.5

Esst Äpfel und trinkt Cidre gegen Putin

Putin macht Ernst und greift zur ersten wirksamen Retourkutsche gegen die Erweiterung der EU-Sanktionen wegen der Vorgänge in der Ukraine. Das Importverbot wurde mit erheblichen Verstößen gegen die Nahrungsmittelsicherheit seitens der EU begründet. Getroffen davon wird zuallererst Polen, dann unser Nachbarland ist mit 1,2 Millionen Tonnen pro Jahr der weltweit größte Apfelexporteur.

In die russische Föderation gehen pro Jahr etwa sieben Prozent dieses Volumens, das sind 840.000 Äpfel. Wie der polnische Landwirtschaftsminister Marek Sawicki mitteilte könnten die Verluste sich für Polen auf bis zu 500 Millionen Euro summieren. Er habe bereits die EU kontaktiert und bei der EU-Kommission einen Antrag auf Kompensation für die Verluste polnischer Apfelbauern gestellt, erklärte er Journalisten gegenüber.

Grzegorz Nawacki ist Redakteur bei der polnischen Wirtschaftszeitung “Puls Biznesu”. Seine pfiffige Idee war es, die Furore machte. Er machte ein Foto beim Apfelessen und kam auf die Idee, dem russischen Embargo mit Solidarität gegenüber den heimischen Aupfelbauern zu antworten. Das Ganze bei Twitter unter dem Hashtag “Iss Äpfel gegen Putin!” (#jedzjablka) gepostet mit dem Aufruf an die Landsleute, Putins Aktion ins Leere laufen zu lassen, indem die heimischen Landwirte unterstützt werden. Die Rechnung ist ganz einfach: Jeder Polen muss im Jahr nur 4,5 Kilo mehr Äpfel essen und das Manko ist ausgeglichen!

Besonders betroffen werden neben Polens Apfelbauern die Händler in der Woiwodschaft Ermland-Masuren im Nordosten Polen sein. Dort befindet sich Polens einzige Grenze zu Russland. Vor zwei Jahren wurde hier zwischen der Woiwodschaft und der russischen Exklave Kaliningrad ein kleiner Grenzverkehr eingeführt, der zur Erfolgsgeschichte wurde. Allein an den Sommerenden gibt es über 60.000 Grenzübertritte. Die Kaliningrader kaufen einen Großteil der Lebensmittel für den Eigenverbrauch in Polen sowie Konsumgüter aller Art. In Polen nämlich ist alles billiger außer Benzin und Zigaretten. Daraus ergibt sich, dass die Polen zum Tanken und Zigarettenkauf nach Russland fahren. Handel und Wandel blühen derart, dass alle Grenzübergänge ausgebaut werden. Für die Woiwodschaft, die nicht eben zu den reichsten in Polen gehört, wurde der kleine Grenzverkehr zu einem bedeutenden Wirtschaftsfaktor. Dieses Plus an Einkommen kam zudem gerade auch bei den „kleinen Leuten“ an.

Bei aller Pfiffigkeit der polnischen Reaktion auf diese Retourkutsche zeigt es sich doch auch schmerzlich, wie ein Autokrat, der auf nichts Rücksicht nehmen muss, mit einem Federstreich wirksam auf dem Instrument Sanktionen spielen kann.

 

 

 

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Brigitte Jäger-Dabek kennt Polen seit vielen Jahren und ist als freie Journalistin Polen-Expertin. Sie ist Autorin des preisgekrönten Buchs "Länderporträt Polen".