Erfolgsgeschichte: Polnische Lebensmittel erobern Weltmarkt

Apfelproduzent Polen, Foto: gemeinfrei, Scott Bauer, Agricultural Research Service

Apfelproduzent Polen,

Vor der politischen Wende 1989 lagen in Polen die Landwirtschaft und die Lebensmittelindustrie buchstäblich am Boden, das Land musste Lebensmittel importieren und dennoch herrschte ob der Devisenknappheit teilweise sogar Lebensmittelmangel.

Was für ein Wandel binnen 25 Jahren, denn heute ist Polen ein bedeutender Lebensmittel-Exporteur im internationalen Maßstab, rund 13,1% aller polnischen Exporte des Jahrs 2013 machte die Lebensmittelbranche aus. Bei einigen Früchten wie Äpfeln ist Polen gar Exportweltmeister, bei Pilzen wie Champignons ist Polen gleichfalls Weltspitze. Daran hat nicht einmal das russische Embargo gegen EU-Lebensmittel etwas geändert. Polens Landwirtschaft und der Lebensmittelindustrie haben das Embargo bis heute recht gut gemeistert, aktiv und erfolgreich wurden neue Absatzmärkte akquiriert.

Hatte man zum EU-Beitritt Polens der dortigen Landwirtschaft, Agrarindustrie und Lebensmittelproduktion eine rabenschwarze Zukunft prophezeit kam es ganz anders, denn nur zehn Jahre nach dem Beitritt summierte sich der polnische Export an Lebensmitteln auf 20 Milliarden Euro und gehört zu Polens am Exportmärkten mit der höchsten Dynamik in Wachstum. Und ebenfalls ganz anders als prophezeit fanden polnische Lebensmittel nicht nur auf dem Billigmarkt Abnehmer – diese Zeit ist längst vorbei. Polens Lebensmittel sind konkurrenzfähig vor allem mit ihrer hohen Qualität, die dazu zum günstigen Preis abgegeben werden können.

Der polnischen Presse gegenüber präzisierte Professor Andrzej Kowalski, Direktor des Instituts für Landwirtschaftsökonomie und Nahrungsmittelwirtschaft (Instytutu Ekonomiki Rolnictwa i Gospodarki ?ywno?ciowej) diese Aussagen. Diese Entwicklung der polnischen Agrar- und Lebensmittelexporte sei tatsächlich bemerkenswert. Während der Zeit der Volksrepublik sei Polen 50 Jahre lang ein Nettoimporteur von Lebensmitteln. Heute hingegen – nur 25 Jahre später – sei Polen ein Big Player auf den Weltmärkten mit einem positiven Handelssaldo von rund 6 Milliarden Euro. Man stelle sich vor: das entspricht dem Gesamtvolumen aller polnischen Exporte in der ersten Nachwendezeit. Prof. Kowalski bekräftigt die Zahlen der Agentur für den Agrarmarkt (Agencja Rynku Rolnego), die Polens Agrar- und Lebensmittelexporte für 2013 mit einem Anteil von 13,1% an den Gesamtexporten seines Landes veranschlagt.

Polen exportiert Agrarprodukte und Lebensmittel inzwischenin 75 Länder, also weltweit. Die durch das russische Embargo heraufbeschworene Krise habe Polen weitgehen verschont, bestätigt Prof. Kowalski. Es sei gelungen rasch neue Absatzmärkte zu finden. Besonders erfolgreich war die Akquise neuer Absatzmärkte im Sektor der Geflügelexporte in Nicht-EU-Länder. Die Steigerungsrate beträgt dort 28%. Wie Maciej Przyborski vom Landesrat der Geflügelbranche (Krajowa Rada Drobiarstwa) bestätigt, habe die Geflügelproduktion Polens auf 2,1 Millionen Tonnen im Jahr 2014 gesteigert werden können, womit Polen zu einem der führenden Geflügelproduzenten geworden sei. Dabei seinen 30% der landesweiten Produktion in den Export gegangen. Hauptabnehmer sind Deutschland, Großbritannien, Tschechien und China.Mit diesem Exportvolumen ist Polen nach Frankreich, Holland und Deutschland der viertgrößte Geflügelexporteur der EU.

Weltmeister gar ist Polen im Bereich der Champignonproduktion, kein Land stellt mehr Champignons her. Diese Pilzsorte machte 2014 60% der gesamten polnischen Gemüseexporte aus.

Auch auf dem Gebiet der Apfelherstellung ist Polen ein Global Player. Bis zum Embargo war Russland der Hauptabnehmer, noch 2013 gingen 678.000 Tonnen polnische Äpfel nach Russland, sogar spezielle Züchtungen für den russischen Markt wurden in Polen entwickelt, denn dort sind nur besonders große Äpfel marktfähig. Neue Abnehmer sind nun Weißrussland, Kasachstan, Litauen, Lettland, Bosnien, Kroatien, Rumänien und die Ukraine. Zwar gingen die Apfelexporte nach dem Embargo insgesamt etwas zurück, jedoch fand sich Ersatz im Export von Apfeldicksaft und Konzentrat in die USA und in die Türkei.

Doch nicht nur im Bereich Äpfeln, auch bei Sauerkirschen, Himbeeren und Johannisbeeren ist Polen größter Produzent in der EU. Im Bereich Johannisbeeren ist Polen mit einer Jahresproduktion von 150.000 Tonnen Weltmeister.

Weltweit sehr beliebt sind auch polnische Backwaren und Konditoreierzeugnisse, die sogar nach China verschifft werden.

Und Polens Lebensmittelexporte wachsen weiter: Im ersten Quartal belief sich das Exportvolumen auf 5,4 Milliarden Euro. Das Entspricht einem Zuwachs um 5,5 Prozent gegenüber dem gleichen Vorjahreszeitraum. Damit sind Lebensmittel unter den polnischen Exporten nach Maschinen und Chemieprodukten die bedeutendste Warengruppe. Allein in diesem Sektor erzielte Polen einen Handelsbilanzüberschuss von 1,7 Milliarden Euro. Vergleicht man allein den März 2015 mit dem Vorjahres-März gab es ein Rekordvolumen von zwei Milliarden Euro. Das bedeutet einen Zuwachs von elf Prozent. Trotz wachsender Exporte in die GUS-Staaten, die USA und China stiegen im Vergleich zum 1. Quartal 2014 die Exporte von Lebensmittel in die allermeisten EU-Länder sogar im zweistelligen Prozentbereich.

Zahlen: Polnische Agentur für Information und Auslandsinvestitionen

Über Brigitte Jaeger-Dabek 1471 Artikel
Brigitte Jäger-Dabek kennt Polen seit vielen Jahren und ist als freie Journalistin Polen-Expertin. Sie ist Autorin des preisgekrönten Buchs "Länderporträt Polen".