Fabryczna – Schicker neuer Bahnhof für Lodz

Der neue Bahnhof Fabryczna in Lodz

Der neue Bahnhof Lodz Fabryczna wird 2016 fertig, Foto: NLF Torpol-Astaldi s.c.

Mit der im Bau befindlichen neuen Station Lodz Fabryczna sollte die einstige Textilmetropole Lodz bereits Ende des Jahres 2015 einen der modernsten Bahnhöfe Europas bekommen. Doch verzögern sich die Arbeiten und nun wird der neue Bahnhof im Herbst 2016 fertiggestellt sein.

Vom Kopfbahnhof Lodz Fabryczna fuhren seit seiner Fertigstellung im Jahr 1870 bis zur Schließung im Jahr 2011 vor allem die Züge in Richtung Warschau. An seine Stelle soll nun ein supermoderner unterirdischer Durchgangsbahnhof treten. Seit der Bahnhofsschließung enden die meisten Züge außerhalb der Innenstadt im Bahnhof Lodz Widzew.

Der neue Bahnhof soll zum zentralen Verkehrsknotenpunkt der Metropole werden. Fernzüge, Langstreckenbusse, der öffentliche Personennahverkehr und Parkplätze für den Individualverkehr sollen dort gebündelt werden. Der Bahnhof im Osten der Stadt ist auch ein Schlüsselelement auf dem Weg zu einem leistungsfähigen Netz für Hochgeschwindigkeitszüge in Polen.

Fahrtzeitverkürzung nach Bahnhofsfertigstellung

Perspektivisch soll der einstige Kopfbahnhof zum unterirdischen Durchgangsbahnhof werden, den der Ende des vergangenen Jahres eingeführte Hochgeschwindigkeitszug Pendolino auf seinem Weg von Warschau in die westpolnischen Großstädte Poznan (Posen) und Wroclaw (Breslau) passieren wird. Doch auch ohne Hochgeschwindigkeitszüge wird sich nach Eröffnung des neuen Bahnhofs die Fahrzeit zwischen der Hauptstadt Warschau und Polens drittgrößter Stadt Lodz durch Streckensanierungen bereits von derzeit etwa 110 auf 70 Minuten reduzieren. Möglich machen soll dies ein Tunnel, der unter dem Stadtzentrum hindurchgeführt wird und Lodz Fabryczna mit dem zweiten wichtigen Bahnhof der Stadt, der Station Lodz Kaliska, verbindet. Diese Tunnelstrecke unter dem Stadtzentrum zum neuen nun unterirdischen Bahnhof Fabryczna beginnt in der Nähe des Bahnhofs Lodz Widzew und erreicht zwischen Lodz Zabieniec und Lodz Kaliska die bestehende oberirdische Eisenbahnstrecke.

Der Bahnhofsentwurf

Markanteste Elemente des neuen Bahnhofs werden die beiden Zugangshallen sein. Die geschwungene Form der transparenten Dächer erinnert einerseits an historische Bahnhofsarchitektur, imitiert mit ihren baumartigen Trägern aber auch organische Formen. Die Haupthalle im Westen erstreckt sich über eine Breite von 40 Metern und führt Reisende und Besucher sanft in den Untergrund. Das Dach der östlichen Eingangshalle wird von einer Replik der historischen Bahnhofsfassade getragen. Besonders stolz sind die Planer auf den Mittelteil der Anlage. Die komplett verglaste Dachfläche ermöglicht dem Sonnenlicht einen ungehinderten Zugang zu den 16 Meter tiefer gelegenen Bahnsteigen. Die Arbeiten an der Haupthalle sollen noch im März abgeschlossen werden. Noch im Frühjahr sollen auch sämtliche Gleise neu verlegt sein. Die Kosten für die gesamte Investition beziffert das Eisenbahninfrastrukturunternehmen PKP PKL mit rund 420 Millionen Euro.

Der Stand der Bauarbeiten am Bahnhof Lodz Fabryczna im September 2015

Die Arbeiten am neuen Bahnhof Fabryczna in der zentralpolnischen Metropole Lodz sind in vollem Gange. Unlängst wurden die letzten Glaselemente des teiltransparenten Daches fertig montiert. Sie machen rund 65 Prozent der gigantischen Dachkuppel aus, die sich nach Fertigstellung der Anlage wie ein Gürteltier organisch aus dem Untergrund erheben soll. Derzeit wird die Fassadenverkleidung installiert. Das mehrgeschossige Gebäude ist im Rohbau bereits fertig, so dass bereits seit Juli im Bereich der Bahnsteige Schienenstränge mit einer Gesamtlänge von drei Kilometern verlegt werden. Fertiggestellt sind zudem schon Rolltreppen und Aufzüge.

Auch die Bauarbeiten am rund zwei Kilometer langen Verbindungstunnel nach Osten sind abgeschlossen. Dort wurden bereits sämtliche Schienen verlegt. Gegen Ende des Jahres sollen so erste Technikzüge zum Bahnhof verkehren. Fahrgäste müssen sich allerdings noch gedulden, bis sie dort zum ersten Mal einen Zug betreten können. Die Megainvestition, die den Hochgeschwindigkeitsanschluss in Richtung Warszawa (Warschau) möglich machen soll, wird voraussichtlich erst im Herbst 2016 abgeschlossen sein. Bis dahin können Schaulustige aber die Bauarbeiten an einer der derzeit größten Baustellen in Polen auf der Webseite Nowa Lodz Fabryczna verfolgen.

Foto: Pressematerial der NLF Torpol-Astaldi s.c.

Über Brigitte Jaeger-Dabek 1462 Artikel
Brigitte Jäger-Dabek kennt Polen seit vielen Jahren und ist als freie Journalistin Polen-Expertin. Sie ist Autorin des preisgekrönten Buchs "Länderporträt Polen".