Krakau – Polens heimliche Hauptstadt

Wawel in KrakauKrakau, die 750 000 – Einwohner – Metropole im Süden Polens ist eine Stadt der Superlative und das geistig – kulturelle Zentrum des Landes. Die alte polnische Hauptstadt zählt zu den schönsten osteuropäischen Städten und steht auf der UNESCO – Liste des Weltkulturerbes, dennoch zählt sie zu den touristisch hierzuland noch weithin unentdeckten Perlen.

Mit Czeslaw Milosz und Wieslawa Szymbiorska leben gleich zwei Literatur – Nobelpreisträger in Krakau, außerdem wohnen der Filmemacher und Oscar – Preisträger Andrzej Wajda, der Science  Fiction – Autor Stanislaw Lem sowie der Komponist Krzysztof Penderecki in der Stadt, die im vergangenen Jahr Kulturstadt Europas war.

Die Altstadt

Mittelpunkt der Krakauer Altstadt, die den Krieg fast unzerstört überstand, ist der 200 mal 200 Meter große Rynek Glowny, anerkanntermaßen einer der schönsten historischen Marktplätze Europas. Am Rynek steht der mächtige Renaissancebau der Tuchhallen, in deren Innerem Laden an Laden gereiht ist. Hier findet man alle nur erdenklichen Souvenirs von Kitsch über Krempel bis hin zur Kunst.

Am Rynek pulsierte schon immer das Leben der Stadt, mehr als vierzig prächtige Patrizierhäuser und Adelspaläste umstehen den Markt. Da gibt es Kramläden, Kunstgewerbe, Kneipen und Cafes, auch Straßenmusikanten und die unvermeidlichen Tauben fehlen nicht – Piazza – Feeling in Polen.

An der Ostseite des Marktes steht die gotische Marienkirche mit ihrem berühmten 17 Meter hohen dreiflügeligen Altar des Nürnberger Bildhauers Veit Stoß, der von 1476 bis 1496 in Krakau lebte. Jeden Mittag wieder sammeln sich Menschen um die Marienkirche und blicken nach oben zum Turm. Pünktlich um 12 Uhr erscheint ein Turmbläser in Feuerwehruniform und bläst das kurze, plötzlich abbrechende Mariensignal in alle Himmelsrichtungen. Mit dieser historischen Melodie warnte im 13. Jahrhundert der tödlich getroffene Turmbläser Krakaus Bürger vor den anrückenden Tataren. Egal was die eigene Uhr zeigt, oder eine andere Kirchenglocke schlägt, wenn der polnische Rundfunk dieses Signal live überträgt, ist es zwölf Uhr für die Polen. Das ist seit mehr als sieben Jahrzehnten Tradition.

In der Altstadt kann der müde, hungrige oder durstige Tourist an jeder Ecke aus Krakaus reichhaltigem gastronomischen Angebot Passendes auswählen, von sommerlichen Straßencafes, kleinen Bistros gemütlichen Kneipen bis hin zu feinen Restaurants ist für jeden Geschmack etwas dabei. In ein paar Cafes, die im Stil Wiener Kaffeehäuser hergerichtet wurden, ist sogar noch ein Hauch der k.u.k – Vergangenheit Krakaus lebendig.

Der Wawel

Südlich der Altstadt liegt der mächtige Burgberg mit der Kathedrale und dem Königsschloss Wawel, in dem von 1320 bis 1596 Polens Könige residierten, viele von ihnen wurden in der Krypta des Wawel – Doms bestattet. Besonders sehenswert auf dem Wawel ist auch der Anfang des 16. Jahrhunderts nach italienischem Vorbild gefertigte dreistöckige Arkadenhof.

Krakau war schon immer mit Kultur und Wissenschaft verbunden und hat auch eine der ältesten Universitäten Europas, die bereits 1364 gegründet wurde. Ältester erhaltener Hochschulteil ist das gotische Collegium Maius. Die berühmtesten Absolventen der Jagiellonen – Universität sind Nikolaus Kopernikus und Papst Johannes Paul II, der hier als Karol Wojtyla studierte und im Untergrund Theater spielte.

Nicht nur Sightseeing ist angesagt in Krakaus Altstadt, die Shoppingmeile ul. Grodzka und die umliegenden Gassen bieten alles für einen ausgedehnten Einkaufsbummel.  Wer abends noch etwas unternehmen möchte, kann um den Markt herum ziemlich jede erdenkliche Art von Musik hören, von der Straßenband bis zum Jazzclub reicht das Angebot.

Spuren des jüdischen Lebens in Kazimierz
Nicht versäumen sollte man die Spuren jüdischen Lebens in Krakau zu erkunden.  Südlich der Krakauer Altstadt liegt der alte jüdische Stadtteil Kazimierz in dem vor dem Krieg 68 000 Juden lebten, die von den Nazis 1941 zunächst ins Ghetto Podgorze auf der anderen Weichselseite verschleppt wurden und dann fast alle in Auschwitz ermordet wurden.

Nur die 1200 Schindlerjuden überlebten, Schindlers Emaillefabrik in Podgorze steht noch. Steven Spielbergs  Film „Schindlers Liste“ wurde in Kazimierz an den Originalschauplätzen gedreht.

Heute leben in Kazimierz nicht vielmehr als 100 Menschen jüdischen Glaubens um die Hauptstraße des Viertels, die ul. Szeroka herum.

Die Remuh–Synagoge an der ul. Szeroka ist das älteste jüdische Gotteshaus in Kazimierz und dient heute noch als Synagoge. Hinter der Synagoge liegt der alte jüdische Friedhof von 1533, dessen Grabsteine den Nazisturm gut versteckt überstanden. Die um erbaute 1500 Alte Synagoge am Ende der ul. Szeroka ist heute Museum und beherbergt Ausstellungen zu Kultur und Geschichte der Juden.

Vieles ist wieder restauriert und saniert in Kazimierz, vor allem um die ul. Szeroka entstanden Cafes, Restaurants, Pensionen und Hotels, die an die jüdische Vergangenheit anknüpfen und auch wieder jede Menge jüdischer Gerichte anbieten.

Abends erklingt Klezmer – Musik live aus den vielen Cafes wie dem Ariel, oder dem Alef auf und lassen bei Kerzenlicht wenigstens die Musik der ostjüdischen Welt lebendig erscheinen. In den engen, verwinkelten Gassen, und den kleinen Läden, Werkstätten und Klezmer-Kneipen lassen ein wenig von der einstiegen Kultur de jüdischen Kazimierz wieder aufblühen, das regelmäßig stattfindende jüdische Kulturfestival tut ein übriges.

Krakau besitzt einen Flughafen und wird täglich von der polnischen Fluglinie LOT sowie etlichen Billigfliegern angeflogen. Die Stadt ist auch per Bahn gut zu erreichen. So bietet sich Krakau für einen Wochenendtrip geradezu an. Wer ein bisschen mehr Zeit hat, hängt einen Tag an und fährt zum nur 15 km entfernten Salzbergwerk Wieliczka und besichtigt das ebenfalls nahe Auschwitz.

(c)Brigitte Jäger-Dabek

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Brigitte Jäger-Dabek kennt Polen seit vielen Jahren und ist als freie Journalistin Polen-Expertin. Sie ist Autorin des preisgekrönten Buchs "Länderporträt Polen".