Krakau-Kazimierz: Museum, I remember erinnert an die Shtetl-Welt

Shtetlszene von Chaim Goldberg, Fotot: Sholem Goldberg CC0

Shtetlszene von Chaim Goldberg, Foto: Sholem Goldberg CC0

“Museum, I remember” ein neues Museum im Krakauer Stadtteil Kazimierz, ist vor allem der Kunst des in Kazimierz Dolny geborenen expressionistischen Malers Chaim Goldberg gewidmet. Es verbindet den ehemals jüdischen Stadtteil Kazimierz in Krakow (Krakau) mit Kazimierz Dolny an der Weichsel und der untergegangenen Welt der jüdischen Shtetl.

Die Verbindung schafft der jüdische Künstler Chaim Goldberg (1917-2004), dessen vielseitiger Arbeit sich das neue “Museum, I remember” in Krakau widmet. Goldberg hatte in seinen Bildern vor allem das Leben im jüdischen Shtetl festgehalten. Goldberg wurde 1917 in Kazimierz Dolny geboren, wo damals rund die Hälfte der Bevölkerung jüdisch war. Er malte schon als Kind in der Schuhmachwerkstatt des Vaters Szenen aus dem Shtetl. Als dort sein Talent von Dr. Saul Silberstein 1931 entdeckt wurde, und Förderer sowie Sponsoren gefunden waren, konnte Goldberg an Jozef Mehoffers Akademie für Schöne Künste in Krakau studieren. Nach dem Abschluss konnte der erst 17-jährige Goldberg ab 1934 als jüngster Student an der Warschauer Akademie für Schöne Künste seine Studien fortsetzen weiter.

Er flüchtete 1939 vor den Nationalsozialisten in die Sowjetunion, kehrte nach dem Krieg nach Polen zurück und lebte später in Israel und ab 1970 in den USA. Die Erinnerungen an das Shtetl der Jugend prägten viele seiner späteren Arbeiten. Die Welt der rund 2.200 Shtetl hatte nicht überlebt, aber Chaim Goldberg hatte überlebt und betrachtete dieses Überleben als eine Verpflichtung künstlerisch Zeugnis abzulegen für sie Welt der jüdischen Shtetl.

Museum, I remember, Chaim Goldberg

Chaim Goldberg  war ein sehr produktiver Maler, Bildhauer und Graveur und hinterließ 4.500 Werke.Seinen Sohn Shalom Goldberg erreichte 2011 eine Anfrage aus Kazimierz Dolny. Das dortige Museum plante eine Ausstellung mit Arbeiten seines inzwischen verstorbenen Vaters. Sie wurde ein Erfolg. Seitdem suchte Shalom Goldberg eine Möglichkeit, den Arbeiten seines Vaters eine permanente Ausstellung in Polen zu widmen. In Kazimierz, dem jüdischen Viertel von Krakau, fand er im Jahr 2015 ein geeignetes Objekt. Im neuen Museum unter dem Namen “I remember” (Ich erinnere mich) sind weit über 100 Werke von Chaim Goldberg zu sehen, darunter zahlreiche großformatige Gemälde, in denen der Alltag im Schtetl erlebbar wird.

Das neue Museum in der ul. Miodowa 19 soll auch für wechselnde Ausstellungen, Theateraufführungen und andere Veranstaltungen genutzt werden. Die Ausstellung ist täglich von 10 bis 17 Uhr zu sehen.

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Brigitte Jäger-Dabek kennt Polen seit vielen Jahren und ist als freie Journalistin Polen-Expertin. Sie ist Autorin des preisgekrönten Buchs "Länderporträt Polen".