Polen: Eisenbahn PKP setzt auf Hochgeschwindigkeitsnetze

Polens Hochgeschwindigkeitszug Pendolino  Foto: © PKP Intercity

Kurz vor dem Beginn des Hochgeschwindigkeitszeitalters auf Polens Eisenbahnnetz gibt es weiterhin Probleme mit den neuen Pendolino-Zügen bei der Abnahme. Noch fährt kein Zug in Polen schneller als 160 km/h, da steht mit dem Anschluss Warschaus an das Hochgeschwindigkeitsnetzes „Rail Baltica“ eine neue Riesen-Planung ins Haus.

Hochgeschwindigkeitszug Pendolino vor dem Start

Am 14.12. 2014 soll es mit Inkrafttreten des neuen Winterfahrplans losgehen mit dem Eisenbahnhochgeschwindigkeitszeitalter in Polen. Betrieben werden die EIC Premium genannten Züge des italienischen Herstellers Alstom von der PKP Intercity.

Doch mit der groß propagierten schönen neuen Eisenbahn-Komfortzeit ist es nicht weit her. Einerseits wird nur ein Bruchteil der Strecken sofort mit Tempo 250 km/h befahren werden können und andererseits gibt es nur acht Wochen vor dem geplanten Start noch immer Probleme bei der technischen Abnehme, nach der erst die Zulassung erfolgen kann – und das, obwohl man für den polnischen Markt auf die anfällige Neigetechnik verzichtet hatte. Die vier von der PKP Intercity zur Abnehme bereit gestellten Pendolino-Züge hatten allesamt Mängel bei der kürzlich durchgeführten Abnahme-Prüfung.

So ist noch immer nicht klar, ob der Pendolino überhaupt eine zukunftsfähige Lösung für Polens Bahnverkehr sein kann, oder doch eher zum Millionengrab wird. Nur wenige Abschnitte des von der PLK (Polskie Linie Kolejowe) betriebenen Schienennetzes ist für das vorgesehene Tempo von 250 km/h zugelassen und geeignet – auch auf den Strecken, die ab Dezember 2014 vom Pendolino befahren werden sollen – das Gros bleibt bei maximal 160 km/h. So werden die Hochgeschwindigkeitsstrecken auch entsprechend vage kommuniziert mit „auf Strecken, die dafür geeignet sind“.

Doch die PKP Intercity fechten solche Kleinigkeiten nicht an. Dem pünktlichen Start zum Winterfahrplan am 14.12.2014 stehe nach der Freigabe des Amts für den Bahntransport nichts mehr im Wege, erklärte der Vorstandsvorsitzende Marcin Celejewski Journalisten gegenüber.

Auf den „dafür geeigneten Abschnitten“ der Strecken Gdansk (Danzig)-Warszawa (Warschau)-Kattowitz (Katowice)-Krakau (Krakow) sowie Warszawa(Warschau)-Wroclaw(Breslau) sollen dann die ersten Pendolino rollen und die Fahrzeit verkürzen. Der Ticketverkauf soll laut www.pkp.pl bereits am 15 November beginnen. Die Preise sollen sich nicht nach gefahrenen Kilometern, sondern nach der Zugauslastung richten.

Auf der Internetseite der EIC Premium erfährt man diese Start-Preise:

  • Warszawa-Krakow: 49 -150 Zl
  • Warszawa-Katowice: 49 -150 Zl
  • Warszawa Wroclaw: 59 – 150 Zl
  • Warzawa – Trojmiasto: 49 – 150 Zl
  • Krakow-Trojmiasto (Gdansk/Gdynia/Sopot): 98 – 189 Zl
  • Katowice-Trojmiasto (Gdansk/Gdynia/Sopot): 98 – 189 Zl

Die Fahrzeiten auf den dann befahrenen Strecken mit dem Pendolino sind auf der Seite der PKP zu finden, wo die Fahrzeiten zwischen Pendolino, Auto (samochod), Flugzeug sowie dem Fernbus (autobus) verglichen werden. Tempo hin, Tempo her, der Fernbus dürfte für Fernstrecken mit seinen unschlagbaren Preisen der Hauptkonkurrent der Bahn bleiben. Auch die Billigflieger werden sicher mit dem einen oder anderen Schnäppchen kontern.

Anschluss an die Rail Baltica geplant

Noch sind die ersten Pendolinos nicht im Betrieb, wird im Ministerium für Infrastruktur und Entwicklung nun auch Ernst gemacht mit der längst zugesagten Teilnahme am ehrgeizigen übernationalen Eisenbahnprojekt Rail Baltica, dass die Eisenbahnnetze der baltischen Länder besser an Mitteleuropa anbinden soll. Dann soll die Grenze zu Polen von Tallinn aus in vier Stunden 15 Minuten erreicht werden. Auch dies wird ein mit bis zu 240 km/h befahrbares Hochgeschwindigkeitsnetz (Mindesttempo 170 km/h) werden, das insgesamt 728 Kilometer lang ist. Es würde aber wenig Sinnen machen, wenn es dann ab der polnischen Grenze im Schneckentempo weiterginge.

Als Nebeneffekt bietet die Teilnahme am Projekt die Möglichkeit, das jeweils eigene Eisenbahnnetz kostengünstig mit hohen Fördersummen aus Brüssel rechnen, denn die Strecke gehört zum Projekt Transeuropäische Transportnetze (TEN-T) und kann gleich mehrere EU-Fonds anzapfen. Damit könnten bis zu 85 Prozent der Investitionskosten abgedeckte werden – das hat man natürlich auch in Polen im Blick. Experten schätzen das nötige Gesamtinvestitionsvolumen auf gut 4 Milliarden Euro. Da nun klar ist, dass die Strecke in normaler, westeuropäischer Spurbreite gebaut wird, nimmt das Interesse in Warschau weiter zu.

In Polen entspricht die Routenplanung für die Rail Baltica der existierenden polnischen Eisenbahnlinie E75. Sie würde nach Einschätzungen des Ministeriums für Infrastruktur und Entwicklung zu Folge nicht nur den Schienentransport in Richtung Baltikum attraktiver und effizienter machen, sondern den unterentwickelten polnischen Nordosten verkehrsmäßig besser erschließen.

Die Modernisierung der besagten E75 ist ohnehin im „Masterplan für den Eisenbahntransport in Polen“ festgeschrieben. Mit den Streckenmodernisierungen am Abschnitt Warschau und Sadowne (66km) wurde bereits begonnen. Die weiteren Abschnitte bis zur litauischen Grenze sind noch in der Vorbereitungsphase. Der Abschnitt Sadowne-Bialystok (107 km/h) wird zwischen 2016 bis 2020 gebaut etwa 75u Millionen Euro kosten, die 186 km lange Strecke von Bialystok zur litauischen Grenze wird ab 2017 für rund 630 Millionen Euro modernisiert.

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Brigitte Jäger-Dabek kennt Polen seit vielen Jahren und ist als freie Journalistin Polen-Expertin. Sie ist Autorin des preisgekrönten Buchs "Länderporträt Polen".