Wroclaw mit ambitionierten Plänen für das Kulturhauptstadt-Jahr 2016

Breslaus Bürgermeister Dutkiewicz hat Ambitionen, Foto: Polnisches Fremdenverkehrsamt

Breslaus Bürgermeister Dutkiewicz hat Ambitionen, Foto: Polnisches Fremdenverkehrsamt,

Die niederschlesische Metropole Wroclaw (Breslau) wird als zweite polnische Stadt nach Krakau im Jahr 2016 Kulturhauptstadt Europas sein. Auf der ITB warb die Stadt bereits für dieses Großereigis mit einer Delegation unter Führung des Breslauer Stadtpräsidenten Rafal Dutkiewicz, die Medienvertretern das Programm vorstellten. Die Breslauer Stadtführung verspricht sich von einem attraktiven Programm zum Kulturhauptstadtjahr eine Verdopplung der Besucherzahlen auf sechs Millionen. Bei einem Pressegespräch während der ITB 2015 in Berlin stand der Breslauer Stadtpräsident Dutkiewicz Medienvertretern Rede und Antwort.

Auf die Frage, was die Besonderheiten des Programms in Wroclaw für das Kulturhauptstadtjahrs 2016 antwortete Rafal Dutkiewicz man wolle Wroclaw als eine europäische Stadt mit einer einzigartigen Geschichte zeigen. Eine Stadt mit einem reichen Kulturangebot, die sich dynamisch entwickelt. Man plane für dieses Jahr bereits eine spektakuläre Aktion unter dem Titel „Brücken“, bei der man das Programm vor einem breiten Publikum präsentieren möchte. Das Projekt „Brücken“ gäbe einen Vorgeschmack von dem, was den Breslauern und ihren Gästen im Jahr 2016 bevorstehen wird. Man möchte vor allem Brücken bauen zwischen den Nationen, die mit der Geschichte der Stadt verbunden sind, Brücken zwischen Vergangenheit und Zukunft, zwischen Ost und West.

Ein wichtiger Fragenkomplex drehte sich um Breslaus bewegte Geschichte und wie sich diese im Programm der Kulturhauptstadt widerspiegeln wird. Dazu erklärte der Stadtpräsident von Wroclaw, dass sich die Stadt in ihrer komplizierten Geschichte immer als eine sehr europäische Stadt gesehen habe. In einer Ausstellung werde man das vielfältige Kulturerbe präsentieren. Die Stadt habe zehn Nobelpreisträger hervorgebracht, in Breslau wurde einst der Begriff des Intelligenzquotienten erfunden. Nikolaus Kopernikus habe als Kanoniker in einer Breslauer Kirche gewirkt. Die Madonna unter den Tannen, die Lucas Cranach einst für den Breslauer Dom gemalt habe und die 2012 wie durch ein Wunder in die Stadt zurückkehrt sei, gehörten zu den wertvollsten Kunstwerken in Polen. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts habe Breslau die europäische Architekturgeschichte entscheidend mit beeinflusst. All das würde natürlich auch im Jahr der Kulturhauptstadt thematisiert.

Eine Vielzahl verschiedener Kuratoren bereitet für das Jahr 2016 in Wroclaw eine ganze Anzahl sehr vielfältiger Projekte vor. Auf die Frage, was für ihn persönlich die Highlights des Programms sein, antwortete Dutkiewicz, das vollständige Programm für 2016 werde im Juni 2015 präsentiert, aber viele Bestandteile sind natürlich bereits bekannt gegeben worden. Im Programm werden sowohl künstlerische Veranstaltungen von hohem Rang vertreten sein, wie die Theaterolympiade oder das Projekt Singing Europe, an dem sich Chöre aus ganz Europa beteiligen werden. Zu den Highlights zähle für ihn sicher auch die Zarzuela, die Breslaus Opernintendantin Ewa Michnik mit 1.000 Teilnehmern im Stadion von Wroclaw inszenieren wird, und mit der wir eine Brücke nach San Sebastián, der zweiten Kulturhauptstadt des Jahres 2016, geschlagen werden soll. Nicht zuletzt möchte man in Breslau an die Tradition des modernen Bauens im frühen 20. Jahrhundert anknüpfen und in der neuen Siedlung Nowe Zerniki der Architekturgeschichte ein neues Kapitel hinzufügen. Ein absoluter Höhepunkt zum Abschluss werde die große Gala zur Verleihung des Europäischen Filmpreises im Dezember 2016 sein, erklärte Dutkiewicz. Man erwarte dazu die berühmtesten Stars des europäischen Films. Der sogenannte europäische Oscar solle auf eine besondere Art und Weise das ganze Jahr der Kulturhauptstadt Europas krönen.

Doch soll das Programm auch viele kleinere Veranstaltungen beinhalten, die für das Breslauer Stadtamt gleichermaßen wichtig sei, betont Bürgermeister Dutkiewicz. Es läge der Stadt sehr daran, dass sich möglichst viele Bürgerinnen und Bürger während des Kulturhauptstadt-Jahres beteiligen. So werde es vom Frühling bis zum Herbst zahlreiche Konzerte von Musikgruppen geben, die an den Wochenenden in den Parks der Stadt auftreten.

Bestehende Festivals wie die Wratislavia Cantans, das Schauspieler-Liederfestival, Jazz an der Oder und das Filmfestival Neue Horizonte sollen in das Programm des Kulturhauptstadt-Jahres integriert werden und sich mit besonderen Ausgaben präsentieren. Sehr attraktiv würden die Veranstaltungen sein, die in neuen Kultureinrichtungen stattfinden werden, die nun sukzessiv eröffnet würden. Er denke hier besonders an das Nationale Musikforum, das modernste Konzerthaus Polens, aber auch an das Theatermuseum oder das Centrum Zajezdnia, in dem man über die Geschichte und die Identität der Stadt erzählen möchte. Es werde in dem Straßenbahn-Depot an der Grabiszynska-Straße entstehen, wo in den 1980er Jahren die Gewerkschaft „Solidarnosc“ in Wroclaw geboren wurde, schwärmt Dutkiewicz.

Rafal Dutkiewicz wünscht sich, dass Wroclaw als Europäische Kulturhauptstadt die Zahl der Besucherinnen und Besucher von heute drei Millionen auf etwa sechs Millionen im Jahr verdoppeln kann. Er habe aber auch den persönlichen Ehrgeiz, dass sich auch die Zahl der Bürgerinnen und Bürger verdoppelt, die sich regelmäßig an Kulturveranstaltungen beteiligen, hofft Dutkiewicz.

Auf die Frage, welche Rolle deutsche Besucher in den Überlegungen zum Kulturhauptstadtjahr 2016 spielen würden, antwortet Dutkiewicz man erwarte natürlich besonders viele Gäste aus Deutschland. Er zeigt sich überzeugt davon, dass sie während des Jahres der Europäischen Kulturhauptstadt noch zahlreicher als ohnehin schon nach Wroclaw kommen werden. In der Jahresmitte werde eine neue Webseite über die Europäische Kulturhauptstadt erscheinen, die auch in der deutschen Sprache über das Ereignis informiert. Natürlich würde man auch in Deutschland intensiv für das Kulturhauptstadt-Jahr werben, fügt Stadtpräsident Rafal Dutkiewicz an.

Quelle: Polnisches Fremdenverkehrsamt Berlin

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Brigitte Jäger-Dabek kennt Polen seit vielen Jahren und ist als freie Journalistin Polen-Expertin. Sie ist Autorin des preisgekrönten Buchs "Länderporträt Polen".