Wratislavia Cantans: Chormusik im Zeichen Europas in Breslau

„Europa Cantans“ ist ein Höhepunkt im Kulturhauptstadtjahr

Wratislavia Cantans Festival in Breslau, Foto: Pressematerial, www.wratislaviacantans.pl

Wratislavia Cantans Festival in Breslau, Foto: Pressematerial, www.wratislaviacantans.pl

Das 51. Festival Wratislavia Cantans steht ganz im Zeichen des Kulturhauptstadtjahres 2016 in Wroclaw (Breslau). Unter dem Motto „Europa Cantans“ feiern weltbekannte Musiker wie der Countertenor Philippe Jaroussky, Sir John Eliot Gardiner, Jordi Savall oder Giovanni Antonini vom 3. bis 18. September die großen und weniger bekannten Komponisten unseres Kontinents. Die Veranstaltungsreihe in den schönsten Konzertsälen der Odermetropole präsentiert aber auch Werke, die sich mit europäischer Geschichte und Identität sowie der Auseinandersetzung von europäischer mit anderen Kulturen widmen.

Schon das Auftaktkonzert von Wratislavia Cantans im Nationalen Musikforum widmet sich dieser Thematik. Unter der Leitung von Andrzej Boreyko präsentieren die Breslauer Symphoniker sowie der Männerchor der Podlachischen Oper und Philharmonie von Bia?ystok die XIII. Symphonie Dmitri Schostakowitschs mit dem Titel „Babi Jar“. Der erste Satz des Werkes basiert auf einem Gedicht, das ein Massaker an der jüdischen Bevölkerung durch die Nationalsozialisten nahe der ukrainischen Hauptstadt Kiew thematisiert. Zur Aufführung kommt auch das Stück „Zan Tontemiquico“ in dem sich der polnische Komponist Michal Gorecki mit der Kultur der mexikanischen Maya auseinandersetzte.

Zu den weiteren Höhepunkten zählt die Aufführung von Bachs Matthäuspassion, mit der das Festival am 18. September abschließt. Unter der Leitung von Sir John Eliot Gardiner werden renommierte Solisten aus Großbritannien und Deutschland wie Mark Padmore und Stephan Loges sowie der Monteverdi Choir und die English Baroque Soloists das Jahrtausendwerk auf die Bühne des großen Konzertsaals im Nationalen Musikforum bringen. Mit Jordi Savall kommt bereits am 12. September ein Schwergewicht der Alten Musik nach Wroclaw. Gemeinsam mit Sängerinnen aus Israel, Griechenland und der Türkei sowie seinem Ensemble Hesperion XXI wird der Katalane unter dem Titel „Orient – Okzident“ Musik der monotheistischen Religionen rund um das Mittelmeer präsentieren.

Giovanni Antonini, seit vier Jahren musikalischer Leiter des Festivals, wird an drei Abenden vor das Publikum treten. Am 4. September dirigiert er Beethovens Neunte Symphonie mit dem Kammerorchester Basel, dem Chor des Nationalen Musikforums sowie Solisten wie der Sopranistin Christiane Oelze und dem Bariton Thomas Bauer. Am 11. September können Musikliebhaber den italienischen Meister an seinem Instrument, der Flöte, erleben. Gemeinsam mit dem Breslauer Barockorchester wird er im Roten und im Schwarzen Salon des Musikforums Tafelmusiken von Georg Philipp Telemann präsentieren.

Am 16. September interpretiert Antonini mit seinem Ensemble Il Giardino Armonico schließlich Werke von Johann Sebastian, Carl Philipp Emanuel und Wilhelm Friedemann Bach sowie von Joseph Haydn und Telemann. Ebenfalls der außergewöhnlichen Musikerfamilie Bach widmet sich das belgische Vokalensemble Vox Luminis unter Leitung von Lionel Meunier. Die aufstrebenden jungen Musiker präsentieren am 7. September Motetten aus rund 150 Jahren Familiengeschichte von Johann über Johann Sebastian bis hin zu Johann Michael Bach.

Zu den weiteren Künstlern, die im Rahmen der Wratislavia Cantans-Reihe auftreten, gehören der US-amerikanische Pianist Robert D. Levin, der Bratschist und Berliner Hochschulprofessor Hartmut Rohde, der Komponist Andreas Spering und der Cellist Giovanni Solima, der sich mit dem bulgarischen Frauenchor Le Mystère des Voix Bulgares präsentiert. Neben dem Nationalen Musikforum sind die Kollegiatskirche zum Heiligen Kreuz, der prächtige Musiksaal Oratorium Marianum in der Breslauer Universität sowie die Magdalenenkirche weitere Spielorte.

 

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Über Brigitte Jaeger-Dabek 1450 Artikel
Brigitte Jäger-Dabek kennt Polen seit vielen Jahren und ist als freie Journalistin Polen-Expertin. Sie ist Autorin des preisgekrönten Buchs "Länderporträt Polen".