Polen: Jaroslaw Kaczynski kandidiert bei der Präsidentenwahl

Kurz vor Ablauf der von der polnischen Verfassung festgelegten Frist wird die Partei Recht und Gerechtigkeit PiS ihren Kandidaten melden: Jaroslaw Kaczynski, Parteivorsitzender und Zwillingsbruder des am 10.April beim Flugzeugabsturz von Smolensk verstorbenen Präsidenten Lech Kaczynski wird ins Rennen gehen.

Mit der offiziellen Bekanntgabe wird bis kurz vor Ablauf der Frist (26. April um 16:15 Uhr) gewartet, bis die Beerdigung der ebenfalls in Smolensk verstorbenen Partei-Vizevorsitzenden Aleksandra Natalli-Swiat vorüber sei, hatte der PiS-Sprecher Mariusz Blaszczak der Nachrichtenagentur PAP mitgeteilt.

Inzwischen hat die PiS die Kandidatur Kaczynskis auf ihrer Internetseite bekanntgegeben. „Das tragische Ende des Lebens des Präsidenten, der Tod der patriotischen Elite Polens bedeutet für und eines: Wir müssen ihre Mission zu Ende führen. Das sind wir ihnen schuldig, das sind wir dem Vaterland schuldig. (…)Deshalb habe ich die Entscheidung getroffen, bei der Präsidentenwahl zu kandidieren. Dazu habe ich die Unterstützung der Familie,” schrieb Kaczynski in der Erklärung, in der er heute seine Kandidatur bekannt gab. Sie ist nachzulesen auf der Internetseite der PiS.

Die Kampagne der PiS soll nicht aggressiv und eher leise sein, vermutlich wird Joanna Kluzik-Rostkowska Chefin des Wahlkampfkomitees sein. Ein sichtlich abgemagerter Jaroslaw Kaczynski, der seit der Flugzeugkatastrophe fast nur mit Trauerfeiern befasst war, hat neben dem Zwillingsbruder und der Schwägerin fast alle Freunde verloren und sich obendrein um die todkranke Mutter zu kümmern – er wirkt angeschlagen. Dennoch kandidiert er um ein Zeugnis abzulegen und das Tun der Verstorbenen fortzuführen, das gäbe ihm Kraft, ließ er verlautbaren.

Die Wahlkampfstrategen der PiS hatten alle Umfrageergebnisse untersucht und waren zu dem Schluss gekommen, allein mit Jaroslaw Kaczynski als Kandidaten würde ein Antreten der PiS gegen Bronislaw Komorowski von der regierenden Bürgerplattform PO Sinn machen.

Der Plan sieht so aus, dass Kaczynski im ersten Wahlkampf am 20. Juni  mindestens 25 Prozent der Stimmen erhalten sollte und 35 Prozent im zweiten Wahlgang.  Man sieht sich bei der PiS nicht als Favoriten, doch durch einen guten Wahlkampf und durch Fehler von Komorowski habe man dennoch gute Siegchancen teilten PiS-Politiker der Tageszeitung Gazeta Wyborcza mit.

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Brigitte Jäger-Dabek kennt Polen seit vielen Jahren und ist als freie Journalistin Polen-Expertin. Sie ist Autorin des preisgekrönten Buchs "Länderporträt Polen".