Polen: Kulturherbst wird mit bedeutenden Festivals eingeläutet

Festival Wratislavia Cantans, Logo, Foto: www.wratislaviacantans.pl Immer mehr präsentiert sich Polen als ein Land mit vielfältiger Kulturszene. Auch immer mehr Reiseanbieter entdecken das reichhaltige Angebot für sich und bieten Städtetrips zu den wichtigsten Events im Nachbarland an. Demnächste wird der Kulturherbst in Polen mit hochklassigen Kulturfestivals eingeläutet. Viele Events sind von Deutschland aus bequem bei einem Wochenendtripp erreichbar.

10. Singer-Festival – Jüdische Kultur in Warschau

Vom 24. August bis 1. September findet in Warszawa (Warschau) das 10. Singer-Festival statt. Es erinnert an den Nobelpreisträger Isaac Bashevis Singer, der bis zu seiner Emigration in die USA 1935 in Masowien und Warschau lebte. Künstler aus Polen und aller Welt präsentieren jüdische Kultur. Darunter sind so berühmte Kantoren wie Yaakov Lemmer aus den USA und Dudu Fisher aus Israel oder die in Berlin lebenden US-amerikanischen Jazzund Klezmermusiker Alan Berg und Paul Brody mit ihrem Projekt The Other Europeans.

www.festiwalsingera.pl

48. internationales Festival „Wratislavia Cantans“.

Der Musikherbst in Polen beginnt mit dem 48. internationalen Festival „Wratislavia Cantans“. Vom 6. bis 15. September finden Konzerte in den schönsten Kirchen, Museen und in der Philharmonie von Wroc?aw sowie in ausgewahlten Stadten der Woiwodschaft Dolnoslaskie (Niederschlesien) statt. Für das internationale Festival zeichnet in diesem Jahr erstmals Giovanni Antonini, der Leiter des berühmten Barockensembles Il Giardino Armonico, verantwortlich. Gemäß dem diesjährigen Motto „Viaggio in Italia“ fuhrt die musikalische Reise in dessen Heimat. Schwerpunkt sind Komponisten, die aus Italien stammten, dort ihre bedeutendsten Werke schufen, oder maßgeblich von italienischer Musik beeinflusst wurden, wie Giuseppe Verdi, Domenico Scarlatti und Gesualdo da Venosa, aber auch Georg Friedrich Handel oder Wolfgang Amadeus Mozart. Die Veranstaltungen sind 2013 erstmals in vier verschiedene Festival-Pfade aufgeteilt. „Die Pflanze außerhalb des Klimas“ widmet sich der italienischen Tradition und ihrem Einfluss auf die Musik außerhalb des Landes. Festivalgaste, die sich für den Renaissancekomponisten Gesualdo da Venosa und sein Leben zwischen Musik, Religion und Leidenschaft begeistern, sollten sich auf den Pfad „Rund um da Venosa“ begeben. Wer sich für den erzählenden Aspekt von Musik interessiert und erleben mochte, wie mit musikalischen Mitteln Geschichten erzählt werden, dem sei der Pfad „Story-Telling“ empfohlen. Den experimentellen Aspekt von klassischer Musik beleuchten die Konzerte, die über den Pfad „Andere Klange“ zu erreichen sind.

www.wratislaviacantans.pl

Festival „Sacrum Profanum“

Am 15. September beginnt in Krakow (Krakau) ein weiteres musikalisches Highlight. Bis zum 21. September treffen beim Festival „Sacrum Profanum“ ernste und Unterhaltungsmusik der Gegenwart aufeinander. Den Auftakt macht das dreiteilige Konzert Trance/Pulse! vor der eindrucksvollen Kulisse einer Fabrikhalle des Stahlkonzerns Arcelor Mittal. Im ersten Teil wird das Gitarrenorchester des Portishead-Gitarristen Adrian Utley die minimalistische Komposition „In C“ des US-Amerikaners Terry Riley interpretieren. Sie entstand 1964 als ein teilweise zufallsbasiertes Stuck  für eine beliebig große Zahl von Musikern. Den zweiten Teil bestreitet Tyondai Braxton, langjähriger Frontmann der New Yorker Band Battles. Er präsentiert sein Projekt HIVE, zur Halfte Installation, zur Halfte Band. Der dritte Teil gehört Beak>, dem neuen Projekt des Portishead-Drummers Geoff Barrow. Gemeinsam mit Billy Fuller und Matt Williams kreiert der Brite einen neuen Musikstil aus Krautrockelementen, Elektronik sowie geradlinigen Bass- und Gitarrenläufen. In den folgenden Tagen bringen namhafte Musiker die Werke bekannter Komponisten des 20. Jahrhunderts auf die Buhne. So wird das Frankfurter Ensemble Modern unter Erik Nielsen Stucke von Frank Zappa präsentieren. Das Abschlusskonzert ist dem polnischen Komponisten Witold Lutos?awski gewidmet, der in diesem Jahr seinen 100. Geburtstag gefeiert hatte.

www.sacrumprofanum.com

56. „Warschauer Herbst“

Vom 20. bis 28. September findet in Warszawa (Warschau) der 56. „Warschauer Herbst“ statt. Die zu den bedeutendsten Festivals der Gegenwartsmusik zahlende Veranstaltung widmet sich in diesem Jahr ganz dem Verhältnis von Tradition und Moderne. Dabei geht es unter anderem auch um die Verbindung von klassischer Gegenwartsmusik mit multimedialen und interaktiven Elementen. Das Festival würdigt drei der bedeutendsten zeitgenössischen polnischen Komponisten. An den 1994 gestorbenen Komponisten Witold Lutoslawski erinnert Krystian Zimerman. Gemeinsam mit dem Orchester der Nationalphilharmonie wird er das Klavierkonzert neu interpretieren, das er gemeinsam mit Lutoslawski vor 25 Jahren beim „Warschauer Herbst“ uraufführte. 80 Jahre alt wäre der 2010 verstorbenen Komponisten Henryk Mikolaj Gorecki geworden. Seine abendfüllenden Streichquartette wird das Kwartet Slaski in Warschau auf die Buhne bringen. Ebenfalls 80 Jahre alt wird in diesem Jahr Krzysztof Penderecki. Sein epochales Werk „Lukas-Passion“ kann das Publikum in einer Interpretation von Chor und Orchester der Nationalphilharmonie sowie des Warschauer Knabenchores unter Leitung von Antoni Wit erleben. Neben zahlreichen Aufführungen von Weltrang können Besucher auch die Debuts internationaler Nachwuchskomponisten sowie drei Vorpremieren erleben. Als Auftragswerk des „Warschauer Herbstes“ kommt das Chor- und Orchesterwerk „Polednice“ des Tschechen Ond?ej Adamek auf die Buhne.

www.warszawska-jesien.art.pl

Über Brigitte Jaeger-Dabek 1462 Artikel
Brigitte Jäger-Dabek kennt Polen seit vielen Jahren und ist als freie Journalistin Polen-Expertin. Sie ist Autorin des preisgekrönten Buchs "Länderporträt Polen".