Swinoujscie-Urlaub am breitesten Strand von Usedom

Windmuehle auf der Mole von Swinoujscie, Foto: Polska Organizacja TurystycznaDort wo heute Swinoujscie / Swinemünde liegt, wurde schon 1184 ein Handelsplatz beurkundet und 1297 sicherte Pommernherzog Boguslaw IV. ansiedlungswilligen Kaufleuten alle Privilegien zu. Dennoch, bis ins 18. Jahrhundert blieb Swinoujscie ein unbedeutendes Fischernest.

Der Aufstieg begann, als Swinoujscie 1720 preußisch wurde, die Swine wurde schiffbar gemacht und Friedrich II. gründete einen Hafen als Gegengewicht und preußische Konkurrenz zu der immer noch schwedischen Peenemündung. Friedrich legte 1743 den heutigen Ort an, der seit 1756 die Stadtrechte besitzt, damals hatte Swinoujscie bereits 2500 Einwohner. Die Handels-, Marine- und Fischereihäfen entstanden und schon 1824 begann der Badebetrieb. Die ersten Kureinrichtungen wurden eingerichtet, drei für Damen, Herren und Kinder getrennte Badeanstalten, und der von Peter Joseph Lenne geplante Kurpark wird geschaffen. Später entdeckte man die Heilwirkung der Solequellen und weitete das Angebot 1895 zum Kurbetrieb aus.

Nach der Fertigstellung der Kaiserfahrt/Kanal Piastowski wurde es auch großen Seeschiffen möglich ins Oderhaff und bis nach Stettin weiter zu fahren. Seitdem liegt Swinoujscie auf drei Inseln. Bahnhof, Industriegebiete sowie die Fähr- und Fischereihäfen liegen auf Wolin, der eigentliche Ort mit Kur- und Badebetrieb auf Usedom/Uznam. Der Bereich um Kasibór/Kaseburg zwischen Szczecin, Haff und Kanal war nun auch zur Insel geworden. Ende des 19. Jahrhunderts hatte sich Swinoujscie dank des 1875 erfolgten Bahnanschlusses sowie des milden Klimas und des schönen Strandes zu einem der beliebtesten Seebäder entwickelt. Vorbei war es nun mit der so beklagten tristen Provinzialität aus Theodor Fontanes frühen Kindertagen, als sein Vater 1827 die dortige Adler-Apotheke übernommen hatte. Immerhin ließ Fontane seine „Effi Briest“ teils in Swinemünde spielen.

Die Badeidylle ging 1945 unter, als im März amerikanische Bomber die von Flüchtlingen überfüllte Stadt an einem Tag in Schutt und Asche legten, die erbitterten Kämpfe um die Region gaben Swinemünde den Rest, 55% der Stadt waren zerstört. Noch immer sind Spuren der Kriegswunden in der 45 000 Einwohnerstadt sichtbar, etliche nach dem Motto Hauptsache schnell errichtete Plattenbauten sollten den Wohnungsmangel beseitigen helfen und erschweren nun – scheinbar plan- und wahllos in der Innenstadt verteilt – die Stadtsanierung.

Swinoujscie  ist Grenzstadt, den deutsch-polnischen Fußgängerübergang nach Ahlbeck kann man vom Zentrum aus in wenig mehr als einer halben Stunde erreichen. Ein Spaziergang Richtung Grenze ist übrigens allemal interessant, ist der Weg doch je dichter man an die Grenze kommt um so mehr von Buden gesäumt. Es gibt absolut nichts, was man auf so einem Grenzmarkt nicht bekommen könnte, von russischem Werkzeug über türkische Damenunterwäsche, chinesische Lederjacken, Haushaltsgegenständen aus aller Herren Ländern und vor allem Gartenzwerge in einer schier unglaublichen Vielfalt – dieser Markt ist wie die Händler versichern besonders auf den deutschen Geschmack ausgerichtet.

Im Woliner Teil der Stadt, in dem direkt am Fähranleger der Bahnhof liegt, befinden sich der Kohle- und Erzhafen Swinoport sowie die Fischerei-, Kriegs- und Fährhäfen Odraport. Neben der typischen Hafenatmosphäre mit der Mischung aus „dicken Pötten”, schreienden Möwen, die den vorbei tuckernden Fischkuttern in Schwärmen folgen, der Salzluft und dem Hauch von Seefahrtromantik gibt es dort das maritime Wahrzeichen der Stadt zu besichtigen. Der 68 m hohe, zwischen 1854 und 1857 erbaute Leuchtturm ist der höchste seiner Art an der polnischen Ostseeküste.

Das Zentrum auf Usedom befindet sich genau dort, wo die kostenlose Fußgängerfähre von Wollin ankommt. Am Kai der Wybzeze Wladyslawa IV liegt ein Ausflugsdampfer am anderen und bietet Rundfahrten, Hochseeangeln sowie Butterfahrten an. Ein kunterbuntes fröhliches Treiben herrscht hier im Sommer, ein Stand neben dem anderen bietet Souvenirs und kleine Leckereien an. Abgerundet wird die maritime Szenerie von dem Geruch nach frisch geräucherten Fisch und dem Duft von Meerwasser.

Direkt gegenüber vom Fähranleger am Plac Rybacka ist im schön restaurierten Alten Rathaus das Museum für Hochseefischerei zu finden, das über das harte Leben der Fischer informiert und auch eine Abteilung für Stadtgeschichte unterhält.
Nicht weit entfernt sieht man schon an der ul. Armii Krajowej die 1792 fertig gestellte Kosciól Chrystusa Króla/König-Christus-Kirche. In der Kirche können Sie einige gotische Skulpturen aus dem 15. Jahrhundert sowie ein wunderschönes über zwei Meter langes hölzernes Schiffsmodell besichtigen. Nur ein Stückchen zurück Richtung Swina finden Sie linker Hand an der Ecke ul. Armii Krajowej an der ul. Slowianskiego 15 die Tourismusinformation.

Vom Fischereimuseum führt die ul. Chrobrego schnurgeradeaus mitten durch den Kurpark zum Ostseestrand, den man nach wenig mehr als einem Kilometer erreicht. Ein Spaziergang lohnt sich, vorbei an prächtigen Gründerzeithäusern, schön wieder hergestellten Pensionen im Bäderarchitekturstil sowie Jugendstilvillen lassen einen Hauch der alten Bäderromantik ahnen. Der einst „Plantage” genannte Kurpark wurde nach Plänen der Generaldirektors der königlich preußischen Gärten Peter Joseph Lenne geschaffenen ist heute wieder in schönem gepflegten Zustand, in einigen idyllischen Ecken meint man Fontanes Effi Briest, die teils hier spielt, sei leibhaftig hier gewesen.

Die Strandpromenade ist Zentrum des heutigen Badebetriebes, Spiel, Sport und allerlei Unterhaltung verführen zu stundenlangem bummeln, Souvenirs suchen und Eis zu schlecken oder vielleicht sogar eine Fischmahlzeit zu sich zu nehmen. Dahinter kommt das Highlight Swinoujscies, der schier endlos breite weiße Strand, Kilometer über Kilometer nur feinster Sand mit ein paar Muschelfeldern. Am Ende der Steinmole längs der Swina-Mündung leuchtet strahlend weiß gegen den tiefblauen Himmel die eigentlich als Seezeichen dienende Windmühle – Griechenlandfeeling an der Ostsee.

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Brigitte Jäger-Dabek kennt Polen seit vielen Jahren und ist als freie Journalistin Polen-Expertin. Sie ist Autorin des preisgekrönten Buchs "Länderporträt Polen".