Umfragewerte der regierenden Bürgerplattform PO fallen

Polens Ministerpräsident Donald Tusk (PO), Foto: Boston9, CC-BY-SA-3.0

Vom 24-25. Januar hat das polnische Meinungsforschungsinstitut IBRiS Homo Homini im Auftrag der Tageszeitung Rzeczpospolita eine repräsentative Umfrage bei 1067 Polen durchgeführt. Ermittelt wurde dabei, wen die Befragten wählen würden, wenn am Wochenende gewählt würde.

Die Umfrageergebnisse  ergaben ein Abrutschen der Regierungspartei Bürgerplattform PO von Donald Tusk in der Wählergunst um 4% auf nurmehr 23%. Die Werte der größten Oppositionspartei Recht und Gerechtigkeit PiS von Jaroslaw Kaczynski zeigen sich kaum verändert und sind um 1% auf eine Wählerunterstützung von 30% leicht gestiegen.

Der Wähleranhang des Bündnisses der Demokratischen Linken SLD blieb stabil bei 14%. Der Junior-Koalitionspartner der PO, die Bauernpartei PSL konnte ihre Anhänger auf niedrigem Niveau von 5% unverändert hinter sich halten. Die PSL würde damit die Fünfprozenthürde für einen Parlamentseinzug gerade eben erreichen.

Die neue linksliberale Oppositionspartei Twoj Ruch (Deine Bewegung) von Janusz Palikot, die aus der Palikot-Bewegung hervorgegangen ist, landete in der Wählergunst bei nur knapp 3 %, wie auch die neue Partei Polska Razem (Polen zusammen) des Ex-Justizministers Jaroslaw Gowin. Die neue Partei Nowa Prawica (neue Rechte) von  Janusz Korwin-Mikke sowie die Partei Solidarna Polska (Solidarisches Polen) des PiS-Dissidenten Zbigniew Ziobro  erreichen beide nur knapp 1 Prozent in der Wählergunst. Von den Befragten hatten 17 % keine Meinung.

Zwei Gründe sieht man bei der Rzeczpospolita für das Absinken der Umfragewerte für die regierende PO. Zum ersten fuhr Premier Donald Tusk in den Urlaub, nach Italien in die Dolomiten. Dort ließ er sich beim Sonnenbad Zigarre rauchend fotografieren. Bei den Polen wurde so der Eindruck erweckt, der Premier genieße das süße Leben, während daheim Otto Normalverbraucher mit den Härten des Wintereinbruchs kämpft.

Als zweiten Grund für das Absinken der Werte für die PO wurde das Verhalten der neuen Transportministerin und Vizepremierministerin Elzbieta Bienkowska angesehen, die den zeitweiligen Fast-Zusammenbruch des Bahnverkehrs nach dem Wintereinbruch mit starkem Schneefall und eisigen Temperaturen von -20 Grad etwas schnodderig mit „Sorry, aber so ist halt das Wetter“ kommentierte. Nur 33% der dazu ebenfallls befragten Polen äußerten Verständbis für diese Bemerkung der neuen Superministerin.

 

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Brigitte Jäger-Dabek kennt Polen seit vielen Jahren und ist als freie Journalistin Polen-Expertin. Sie ist Autorin des preisgekrönten Buchs "Länderporträt Polen".