Umstritten in Polen: Beerdigung von General Jaruzelski

Wojciech Jaruzelski im Jahr 2009, Foto: Xavier Colas, CC BY 2.0

Am gestrigen 30. Mai wurde General Jaruzelski fünf Tage nach seinem Tod nach einer Heiligen Messe in der Militärkathedrale auf dem Militärteil des Warschauer Powazki-Friedhof mit einem Staatsbegräbnis beigesetzt.

General Wojciech Jaruzelski war nicht nur einer der umstrittensten polnischen Politiker, auch die Form seiner Beerdigung zeigt wiederum die bestehenden Gräben in der polnischen Gesellschaft. Er war der letzte kommunistische Machthaber Polens zwischen 1981 bis 1989, und Präsident von 1985 bis 1990.

Sein Amtsnachfolger Lech Walesa nahm an der Messe teil, nicht jedoch an der Beisetzung der Urne, da er es nicht ertragen könne, wenn ein Mensch begraben wird, erklärte er dem Fernsehsender TVN24 gegenüber. Wie seine Präsidentenkollegen sprach er der Familie Jaruzelskis persönlich sein Beileid aus. Auch der gegenwärtige polnische Präsident Bronislaw Komorowski war anwesend. Aleksander Kwasniewski, Polens Präsident von 1995 bis 2005, langjähriges Mitglied des Linksbündnisses SLD und zuvor Mitglied der kommunistischen Polnischen Vereinigten Arbeiterpartei, hielt die Traueransprache. Er erklärte General Jaruzelski habe damals “in fester Überzeugung in einem Moment der ernsten Krise das kleiner von zwei Übeln gewählt: Polen sowohl vor einer ausländischen Intervention, als auch einem Bürgerkrieg zu bewahren“

Unauslöschlich verbunden ist und bleibt allerdings Jaruzelskis Name mit der Verhängung des Kriegsrechts über Polen am 13. Dezember 1981 zur Zerschlagung der Solidarnosc-Bewegung, der die Inhaftierung Tausender Solidarnosc-Aktivisten und etlicher bis heute nicht geklärter Todesfälle folgte.

Doch gab es nie belastbare Beweise dieser von Jaruzelski bis zum Tod vermuteten sowjetischen Einmarschabsicht. So wurden die Trauerfeierlichkeiten von rund 2.000 Demonstranten begleitet, die Ehre und Respekt nicht für Jaruzelski, sondern für die rund hundert Todesopfer des Kriegsrechts forderten.

Schon im Vorfeld der Beisetzung hatte es heftige Auseinandersetzungen im politischen Warschau über die Art der Beisetzung gegeben. Das Linksbündnis SLD verlangte die Verhängung einer mehrtägigen Staatstrauer und stilisiert Jaruzelski fast zu einer Freiheitsikone hoch, die Polen vor der sowjetischen Besetzung bewahrte. Der Friedensnobelpreisträger und Ex-Präsident Walesa zeigte sich versöhnlich. Jaruzelski habe zu einer Generation gehört, die nach dem 2. Weltkrieg zunächst einmal unter der Dominanz der Sowjetunion zu überleben hatte. Manche von ihnen seien strikt antidemokratisch eingestellt gewesen, andere versuchten die sowjetische Dominanz innerhalb des kommunistischen Systems zu unterminieren. Zu welcher Gruppe Jaruzelski letztlich gehörte, könne er auch nicht sagen, erklärte Walesa. Die dritte breite gesellschaftliche Gruppe in dieser Auseinandersetzung bestand aus alten Solidarnosc-Aktivisten der verschiedensten politischen Couleurs bis hin zur nationalkonservativen Partei Recht und Gerechtigkeit von Jaroslaw Kaczynski, der selbst einst ein Solidarnosc-Kämpfer war. Sie forderten ein rein privates Begräbnis, ohne jegliche staatliche Ehren.

Der Präsidentenberater Tomasz Nalecz erklärte, der amtierende Präsident Komorowski habe sich zu einem Staatsbegräbnis entschlossen, weil es schwierig sei, einen ehemaligen Präsidenten auf irgend eine andere Weise zu begraben, es werde aber so bescheiden ausfallen, wie es für einen Soldaten nur sein könne. Auch Ministerpräsident Donald Tusk, der ebenfalls seine Wurzeln in der Solidarnosc-Bewegung hat, erklärte schon frühzeitig seine Teilnahme an der Messe. Respekt müsse der Uniform und einem Toten gezollt werden. Auch der Grabplatz sorgte für Aufregung, befindet er sich doch in der Reihe der Ehrengräber auf dem Powazki-Friedhof. Er habe diese Ehre nicht verdient, denn er habe Blut von Polen an den Händen, wie es Jaroslaw Kaczynski nannte.

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Brigitte Jäger-Dabek kennt Polen seit vielen Jahren und ist als freie Journalistin Polen-Expertin. Sie ist Autorin des preisgekrönten Buchs "Länderporträt Polen".