Westpommern – Von Pobierowo bis Mielno
Urlaub in den Seebädern der polnischen Küste

Kirchenruine bei Hoff (Trzesacz), Foto: B.Jäger-DabekPommern, oder Pomorze, wie es polnisch heißt, bedeutet das Land am Meer, eine treffende Beschreibung für dieses Land, das von der Grenze bis fast nach Gdansk/Danzig reicht. Endlose bis zu hundert Meter breite herrlich weiße Sandstrände im Wechsel mit einigen über 100 m hohen urwaldbestandenen Steilküsten und landeinwärts sanfte Hügel ausgedehnter Moränenlandschaften mit vielen kleinen Seeen machen die polnische Küste zu einem attraktiven Urlaubsgebiet. Der gleich hinter der Oder beginnende Teil der polnischen Küste, der früher Hinterpommern genannt wurde, gehört heute zur Wojewodschaft Pomorze Zachodnie, was Westpommern bedeutet. Hauptstadt dieser Wojewodschaft ist Szczecin/Stettin, sie reicht im Osten bis kurz hinter Darlowo.

Pobierowo
An der westpommerschen Küste reihen sich die Badeorte aneinander wie Perlen einer Kette. Unmerklich gehen die Orte ineinander über, immer wieder finden sich Pensionen und Ferienanlagen gleichsam verloren in den ausgedehnten Kiefernwäldern entlang der Straße. Neun Kilometer hinter Dziwnówek ist Pobierowo / Poberow erreicht, der schönste dieser Badeorte.

Von Pobierowo aus kann man einen schönen langen Strandspaziergang nach Osten machen. Nach einer Stunde erreicht man Trzesacz / Hoff, wo man vom breiten weißen Strand aus auf der 20m hohen Steilküste die Ruine einer gotischen Kirche sieht. Niemand weiß genau um das Alter des Kirchleins, als Baujahr wird etwa 1250 angenommen. Kaum zu glauben, aber diese Kirche war einst Mittelpunkt des Ortes, erst 1874 fand hier der letzte Gottesdienst statt. Die rauhe Ostsee rückte immer näher, Sturmfluten hölten das Steilufer immer weiter aus und 1901 stürzte die Nordwand der Kirche in die Tiefe, als die unterspülte Kliffkante abbrach. Mitten durch diese Kirchenruine verläuft der 15. Längengrad, der Bezugspunkt für unsere mitteleuropäische Zeit ist.

Immer wieder zog die Ruine in den letzten hundert Jahren Künstler an, der bekannteste war Lyonel Feininger (1871-1956), der zwischen 1891 und 1936 regelmäßig den Sommer an der pommerschen Ostseeküste verbrachte, meist in Mrzezyno / Treptower Deep. Etwa 30 seiner Gemälde und Zeichnungen befassen sich mit der Ruine von Trzesacz.

Rewal
Rewal / Rewahl  folgt keine drei Kilometer hinter Trzesacz. Vom hohen Steilufer hat man einen schönen Blick auf die Region, die ganze Küstenlinie mit den wild zerklüfteten Steilküsten, den malerischen Fischerorten und dem breiten, aus einer Sandbank entstandenen Strand.

Niechorze
Niechorze / Horst liegt zwischen Ostseestrand und dem Binnensee Jezioro Liwia Luza inmitten größtenteils bewaldeter Dünen. Der Jezioro Liwia Luza / Eiersberger See ist ein sehenswertes Reservat für Wildschwäne. Ein Wasserarm, die Liebelose verbindet den See mit der Ostsee und teilt den Ort in Großhorst und Kleinhorst.

Einen prächtigen Ausblick kann man von der Plattform des 45 m hohen  Leuchtturms auf der Steilküste genießen. Von Niechorze aus fährt eine Schmalspureisenbahn, der Ciuchcia Retro Express mit der man im Sommer über Rewal nach Trzebiatów fahren kann, ein herrlich nostalgisches Erlebnis, Blümchen pflücken während der Fahrt ist allerdings verboten.

Mrzezyno
Mrzezyno / Treptower Deep ist an der Regamündung unweit des Sees Jezioro Resko Przymorskie gelegen. Wiesen und Heide mit einigen Moorgebieten kennzeichnen hier die Landschaft. Den von Dünen umgebenen Strand hielt nicht nur Lionel Feininger für den schönsten Pommerns.

Mielno
Schon vor dem 2. Weltkrieg war das damalige Großmöllen die Badewanne der Kösliner, die man seinerzeit per Straßenbahn, mit der „Elektrischen“ erreichte. Heute fahren neben den großen Linienbussen auch Kleinbusse, die nach Bedarf für drei Z?oty auf festen Routen verkehren. Der zwischen Dünen gelegene Kurpark mit seiner Kurpromenade trennt den Ort Mielno von der oben auf dem Deich verlaufenden Strandpromenade und dem dahinter liegenden Strand. Die vielen Beton-Wellenbrecher und Buhnen gegen die landraubende Wucht der Ostsee sind kunterbunt angemalt. Auf den Zuwegen zum Strand, die von allerlei Ständen gesäumt sind, gibt es alles, was der Tourist so brauchen könnte, an den Plätzen herrscht regelrechtes Flohmarktfeeling, Bazare dieser Art sind der Renner in Polen. Da Mielno wegen seines Heilmoores und der Thermalquelle auch ein bekannter Badeort ist, findet man Jahr für Jahr mehr Kureinrichtungen umd das Seewasser-Thermalbad.mNoch bevor Mielno in Uniescie übergeht, sieht man auch rechts der Straße Wasser, hier beginnt der Jezioro Jamno/Jamundsee, Unie?cie selbst liegt bereits auf der Nehrung.

Der flache, nur drei Meter tiefe Süßwasser-Binnensee mit seinen schilfbestandenen Ufern ist ein Nist- und Brutparadies vieler Vogelarten und ein wunderbares kleines Segelrevier für Binnensegler, auch Paddler kommen hier auf ihre Kosten, einfach in Unie?cie bei einem der zahlreichen Vermieter ein Kajak mieten und in der nächsten Bucht wähnt man sich unendlich fern ab jeglicher Zivilregionen.

Von Uniescie aus gibt es zahlreiche Möglichkeiten für ausgedehnte Spaziergänge und Wanderungen auf die an der schmalsten Stelle nur gut 200 m breite Nehrung. Da sitzt man am Ufer des Jamundsees, läßt die Füsse vom Seewasser umspülen und hört hinter sich das Rauschen der Ostsee, dazwischen der Kiefernwald auf dem sandigen Dünenboden, der abrupt in den Ostseestarnd übergeht. In der Mitte der acht Kilometer langen Nehrung befindet sich ein Durchstich vom Jamundsee zur Ostsee.

Auch landeinwärts bieten die Wege und Straßen am Jamno, die sich auch wunderbar für Radtouren eignen überraschende Sichten, wogendes Schilf und verschwiegene Buchten, eine verträumte, stille Landschaft voller runder Kuppen und Hügel, die jede Idylle bietet. In Jamno und ?abusz findet man noch einige Bauten im traditionellen Stil der Jamno-Kultur, die sich in dieser Abgeschiedenheit bis ins 20. Jahrhundert erhalten hatte. Typisch für diesen Baustil war der abgeschlossenen, auf allen Seiten von Wirtschaftsgeb?uden umstandene Hof mit breitem Hoftor und schmaler Fußgängerpforte. Ein ähnliches Naturparadies ist der Jezioro Bukowo/Buckower See. Auch dieser etwas kleinere Strandsee ist durch eine sandige Nehrung vom Meer getrennt und hat wie der Jamno in der Mitte der Nehrung einen Durchstich.

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Über Brigitte Jaeger-Dabek 1465 Artikel
Brigitte Jäger-Dabek kennt Polen seit vielen Jahren und ist als freie Journalistin Polen-Expertin. Sie ist Autorin des preisgekrönten Buchs "Länderporträt Polen".