Jubiläum: Polen erinnert an Taufe vor 1050 Jahren

Offizielle Feierlichkeiten am 14. bis 16. April in Polen und Gnesen geplant

Christianisierung Polens 966, Gemälde Jan Matejko

Die Christianisierung Polens 966, Gemälde von Jan Matejko, Foto: gemeinfrei, Royal Castle, Warsaw

Die Polen feiern in diesem Jahr die Christianisierung ihres Landes vor 1.050 Jahren. Damals, im Jahr 966 ließ sich der damalige polnische Herzog Mieszko I. taufen. Mit ihm nahmen auch wie es üblich war seine Untertanen den neuen Glauben an. Für viele Polen ist dies bis heute das bedeutendste Ereignis der polnischen Geschichte, für manche gar der Eintritt Polens in die Geschichte.

Anders als die 1000-Jahrfeier Polens im Jahr 1966 zu Zeiten der polnischen Volksrepublik, wird die 1050-Jahrfeier 2016 wieder den engen Bezug zum eigentlichen Anlass suchen: der Taufe des polnischen Herzogs Mieszko I. und damit der Christianisierung Polens. Beim 1000. Jubiläum stahl eine Kirchenaktion der ganz anderen Art den Feiern der damaligen Staats- und Parteiführung unter Wladyslaw Gomulka die Show und vor allem die Deutungshoheit. Die deutete das Jubiläum mehr zu einer Staatsgründungsfeier um.

Eine Sensation war es im Vorfeld der Feiern nämlich, dass es explizit anlässlich dieses Jubiläums die polnische Bischofskonferenz war, die mit der deutschen Bischofskonferenz in einen Briefwechsel eintrat, in dem Polen Deutsche erstmals nach dem Krieg wieder als Brüder uns Schwestern sahen. Die polnischen Bischöfe luden ihre deutschen Amtsbrüder am 18. November 1965 eben zu der Tausendjahrfeier 1966 ein. Dieses erste Schreiben des Briefwechsels war der erste Schritt in Richtung einer deutsch-polnischen Verständigung.

Etwas blieb über die letzten 50 Jahre allerorts von den damaligen staatlichen Feierlichkeiten: Fast jeder Ort hat seinen Plac 100-lecia, seinen Tausendjahreplatz. Die Partei nämlich feierte das Jubiläum als „Tysiaclecie Panstwa Polskiego“ (1000 Jahre Polen). Die Kirche hatte eine andere Bezeichnung für das Jubeljahr 1966: „Sacrum Poloniae Millenium“ (Heiliges Jahrtausend für Polen).

Doch so ganz unbelastet und ohne Instrumentalisierungen durch die Regierenden wird auch dieses Feierjahr nicht vorübergehen. Eines der ersten vom Sejm verabschiedeten Gesetze der PiS-Regierung war gleich in den ersten Januartagen Anfang Januar das Gesetz zum Jubiläumsjahr der Taufe Polens 2016.

Mieszko I. hatte als erster Fürst die polnischen Stämme vereint. Um sich gegen seine mächtigen Nachbarn, das Römisch-Deutsche Kaiserreich und Böhmen abzusichern, vermählte er sich mit der böhmischen Herrschertochter Dobrava und nahm den römisch-katholischen Glauben an. Forscher gehen heute davon aus, dass die Taufe Mieszkos wohl um die Osterzeit 966 auf der Dominsel von Poznan (Posen) oder an seinem Fürstensitz in Gniezno (Gnesen) stattfand.

Mit dem Herrscher nahm auch das Volk den christlichen Glauben an. Der Staat wurde nach christlich-abendländischem Vorbild umgebaut, es entstanden erste Kirchen und Gemeinden, allen voran Polens ältestes Bistum in Poznan, das 968 gegründet wurde. Mieszkos Sohn, Boles?aw Chrobry wurde 1025 zum ersten König Polens gekrönt. Die Taufe von Mieszko I. wird in den einschlägigen Chroniken auf den 14. April 966 datiert. Deswegen werden auch die Hauptfeierlichkeiten genau auf diesen und die folgenden Tage gelegt.

Die offiziellen Feierlichkeiten zum Jahrestag der Christianisierung Polens finden vom 14. bis 16. April 2016 in Posen, Gnesen und Umgebung statt. Am 14. April wird Präsident Andrzej Duda zusammen mit dem Episkopat in der Gnesener Kathedrale (Gnesen war die erste Hauptstadt Polens) der Taufe 966 gedenken. Am 15. April wird das wichtigste Ereignis stattfinden – die Tagung der aus beiden Parlamentskammern bestehenden Nationalversammlung. Erstmals wird die Nationalversammlung außerhalb der Hauptstadt Warschau tagen, denn die offiziellen Feierlichkeiten werden in Posen stattfinden. Zu diesen staatlichen Feiern werden rund 1200 Gäste eingeladen, darunter die Regierung und Abgeordnete beider Kammern des Parlaments.

Unter anderem wird in dieser Zeit die polnische Bischofskonferenz zusammentreffen. Zum Abschluss soll es im Stadion des Posener Fußballclubs Lech einen großen gemeinsamen Gottesdienst von Christen aus Polen und aller Welt geben. Darüber hinaus wird noch bis November 2016 mit zahlreichen weiteren Veranstaltungen im ganzen Land an die Taufe Polens vor 1.050 Jahren erinnert.

Schon im Jahr 2012 hatte mit Bronislaw Komorowski der damalige Präsident Polens auch den damaligen Papst Benedikt XVI. zu einer zweiten Polenreise zum Auftakt der Feierlichkeiten zum 1050-Jahr-Jubiläum der Christianisierung des Landes von 966 eingeladen. Das wird nun nicht geschehen, im Vatikan braucht man also keine Furcht davor haben, dass die PiS-Regierung den Heiligen Vater vor den eigenen kirchenpolitischen Karren spannen wird.

Das Jubiläumsjahr der Christianisierung Polens nämlich fällt in das Jahr des großen Weltjugendtreffens der katholischen Kirche in Krakow (Krakau) vom 25. bis 31. Juli 2016. Neben Millionen Gläubigen aus aller Welt wird dann auch Papst Franziskus in Polen erwartet.

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Brigitte Jäger-Dabek kennt Polen seit vielen Jahren und ist als freie Journalistin Polen-Expertin. Sie ist Autorin des preisgekrönten Buchs "Länderporträt Polen".