Salzbergwerk Bochnia strebt auf die Liste des UNESCO-Welterbes

Salzbergwerk Bochnia, Foto: Polnisches FremdenverkehrsamtIm kleinpolnischen Kurort Bochnia befindet sich Polens ältestes Salzbergwerk, das heute Museum ist. Schon seit 1248 wird hier Steinsalz abgebaut. Im Jahr 2011 stellte die Museumsleitung einen Antrag auf Aufnahme in die UNESCO-Liste des Welterbes. Ende September findet nun die offizielle Begutachtung des Bergwerks statt.

Im kommenden Jahr wird die UNESCO entscheiden, ob das bereits seit 1978 bestehende Welterbe des Salzbergwerks in Wieliczka um das Bergwerk in Bochnia, und das aus dem 13. Jahrhundert stammende Verwaltungsschloss der Krakauer Salzsiedereien in Wieliczka erweitert werden wird.

Die Geschichte der Salzsiederei in der Region rund um die Kulturmetropole Kraków (Krakau) geht bis in die Jungsteinzeit zurück. Nachdem in Bochnia 1248 größere Steinsalzvorkommen gefunden wurden, begann man mit der gezielten Förderung des weißen Goldes. Gemeinsam mit dem Bergwerk von Wieliczka gehörte Bochnia zu den königlichen Krakauer Salzsiedereien. Über die Jahrhunderte entstand unterhalb der Stadt ein weitverzweigtes Labyrinth an Kammern, Stollen und Gängen, das seit den 1980er Jahren zu touristischen und Heilzwecken genutzt wird. Die rund 1,5 Kilometer lange unterirdische Besuchertrasse beginnt in einer Tiefe von 173 Metern und endet bei 250 Metern unterhalb der Erde.

Größte Attraktion von Bochnia ist die im Dezember 2011 eröffnete multimediale Besuchertrasse. Die mehrsprachige Ausstellung erklärt bunt und kurzweilig die jahrhundertealte Geschichte der Steinsalzförderung im Krakauer Weichseltal. Könige, Kaufleute, einfache Bergleute und Mönche entführen die Besucher des Museums in 200 Metern Tiefe auf eine einzigartige Reise durch die Zeit.

Die Ausstellung ist so konzipiert, dass bei Besuchergruppen der Eindruck entsteht, es würde weiterhin im stillgelegten Bergwerk gearbeitet. Begrüßt werden die Zeitreisenden vom Geist eines Zisterziensermönches. Könige erzählen von bedeutenden Ereignissen, Genueser Handelsleute von ihrer Zeit als Verwalter der königlichen Salzbergwerke und Bergarbeiter von der Geschichte des Salzabbaus und dem Leben der einfachen Leute. Unterwegs durch die Unterwelt erleben Besucher verschiedene Salzfördertechniken, müssen sich vor dem einen oder anderen, natürlich nur virtuellen, Grubenunglück in Acht nehmen und lernen zudem Wissenswertes über die Geschichte des Salzhandels.

Eine bahnbrechende Neuheit im multimedialen Museumsbetrieb stellen die sprechenden Figuren dar. Auf das Gesicht der schaufensterpuppenähnlichen Modelle wird von innen heraus das dreidimensionale Bild sprechender Schauspieler projiziert, die Geschichten rund um den Bergbau und das Leben in Bochnia im Verlauf der Jahrhunderte erzählen. Darüber hinaus gibt es zahlreiche Audio- und Hologramminstallationen. Auf diese Weise entsteht für die Besucher im Dämmerlicht der unterirdischen Stollen ein faszinierend authentisches Museumserlebnis.

Das Angebot des ehemaligen Salzbergwerks von Bochnia richtet sich auch an gesundheitsbewusste Besucher. Das spezifische Mikroklima des Salzstocks eignet sich hervorragend für die Behandlung von Erkrankungen der Atemwege und Allergien. Die 255 Meter lange und in einer Tiefe von 248 Metern gelegene Salzkammer Wa?yn beherbergt ein Inhalatorium, einen Sportplatz, ein Restaurant, einen Konferenzbereich und eine Diskothek. Hier sowie in der Kammer Koldras befinden sich Übernachtungsmöglichkeiten für bis zu 290 Personen. Weitere Gesundheits- und Erholungseinrichtungen befinden sich in der Kammer Manna.

www.kopalniasoli.pl

Quelle: Polnisches Fremdenverkehrsamt

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Brigitte Jäger-Dabek kennt Polen seit vielen Jahren und ist als freie Journalistin Polen-Expertin. Sie ist Autorin des preisgekrönten Buchs "Länderporträt Polen".