Polen: Wielun, der vergessene Kriegsbeginn

Wielun am 2. September 1939

Wielun am 2. September 1939,

Der zweite Weltkrieg begann mit der Beschießung der Danziger Westerplatte durch die Schleswig-Holstein – das steht wie in Stein gemeißelt. Doch genau betrachtet stimmt das nicht. Der Zweite Weltkrieg begann heute vor 71 vermutlich bereits gegen 4:30 Uhr mit der Bombardierung der rund 20 Kilometer von der deutschen Grenze entfent in der Woiwodschaft Lodz liegenden Kleinstadt Wielun.

Es war der erste Luftangriff dieses Krieges, dem viele weitere folgen sollten, bis 1945 halb Europa in Schutt und Asche lag. Wielun, das rund 100 Kilometer östlich von Breslau liegt, hatte damals rund 16.000 Einwohner wurde bei dem Angriff vom 1.9.1939 zu rund 70% zerstört, der Stadtkern sogar zu 90%, rund 1200 Menschen starben. Militärische Ziele gab es in Wielun nicht, die Stadt war unbefestigt, besaß weder Flak noch Bunker.

Befohlen hatte den Angriff der zur Unterstützung der 10. Armee kommandierte „Fliegerführer zur besonderen Verfügung“ Wolfram von Richthofen auf Geheiß der obersten Führung. Die Ausführung folgte vom Militärflughafen  Nieder-Ellguth am Steinberg nordöstlich von Oppeln durch das Stuka-Geschwader 76 sowie das Geschwaders 2 Immelmann Sturzkampfbomber JU 87 B. In drei Angriffswellen luden jeweils 29 Stukas des Typs JU 87 B insgesamt 380 Bomben mit einer Gesamt-Sprengkraft von 46000 Kilogramm ab.

Was die Beurteilung dieses ersten Luftangriff des 2.Weltkrieges betrifft, sind sich die meisten Historiker heute einig und meinen, dass an Wielun sowohl der neue Flugzeugtyp als auch und vor allem eine neue Taktik erprobt werden sollte, bei der den Sprengbomben Brandsätze folgten, um so einen Feuersturm zu entfachen.

Weitere Artikel der Serie

Über Brigitte Jaeger-Dabek 1468 Artikel
Brigitte Jäger-Dabek kennt Polen seit vielen Jahren und ist als freie Journalistin Polen-Expertin. Sie ist Autorin des preisgekrönten Buchs "Länderporträt Polen".