Flugzeugabsturz Smolensk: Leichenfledderei russischer Soldaten

Die rauchenden Trümmer  in Smolensk

Trümmer Flugzeugabsturz Smolensk,

Es könnte schnell vorbei sein mit dem Tauwetter in den russisch-polnischen Beziehungen, denn was zunächst als kaum glaublich erschien, enthielt mehr als nur einen winzigen Kern Wahrheit: Russische Soldaten haben Leichenfledderei in den noch rauchenden Trümmern der abgestürzten polnischen Präsidentenmaschine betrieben.

Leichenfledderei und Kreditkartendiebstahl

Der polnische Regierungssprecher Pawel Gras hatte die russischen OMON-Spezialtruppen des Innenministeriums der Leichenfledderei und des Diebstahls von Kreditkarten der Opfer des Flugzeugabsturzes vom 10. April im russischen Smolensk beschuldigt. Das russische Innenministerium bezeichnete diesen Vorwurf als zynisch.
Ans Licht kam der Vorwurf der Leichenfledderei durch russische Soldaten an den polnischen Opfern der Tragödie, als die Witwe von Andrzej Przewoznik davon berichtet hatte, dass offenbar mit der Kreditkarte ihres verstorbenen Mannes in Russland rund 1.400 Euro abgehoben worden waren. Inzwischen teilte der polnische Inlandsgeheimdienst ABW mit, elf solche illegalen Abbuchungen entdeckt zu haben.

Die Täter sind geständig

Inzwischen gab die russische Nachrichtenagentur ITAR-TASS den Stand der Untersuchungen bekannt. Der zuständige Moskauer Staatsanwalt habe erklärt, es habe solche Diebstähle gegeben. Bei den Tätern habe es sich um gewöhnliche Soldaten und nicht um Angehörige Russische der OMON-Truppen gehandelt. Die vier Täter habe Wladimir Markin von der untersuchenden Staatsanwaltschaft mit Artur Pankratow, Igor Pustowar, Jurij Sankow and Sergeij Syrow benannt. Die vier Soldaten hätten die Tat gestanden und würden mit den Untersuchungsbehörden kooperieren. Die vier seien Wehrpflichtige, deren Einheit den abgesperrten Unfallort sichern sollten. Drei der vier Soldaten seien bereits vor ihrer Militärdienstzeit mit dem Gesetz in Konflikt geraten. Drei der Kreditkarten hätten russische Behörden sichergestellt, eine hätte der Automat eingezogen und nur mit der Przewoznik-Karte sei es den Tätern gelungen 1.400 Dollar abzuheben.

Weiter teilte ITAR-TASS mit, dass das russische Verteidigungsministerium eine Entschuldigung an das polnische Volk für den Diebstahl der Kreditkarten vorbereite. Das abgehobene Geld von Przewozniks Konto würde selbstverständlich erstattet.

Pressekonferenz in Warschau
Am Montag hat sich Regierungssprecher Pawel Gras in russischer Sprache bei den OMON-Truppen für die falsche Anschuldigung entschuldigt. Der Fehler sei ihm unterlaufen, weil er angenommen hätte, dass ausschließlich OMON-Truppen am Unfallort gewesen seien, er bedaure diese unpräzise Formulierung, betonte Gras.

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Über Brigitte Jaeger-Dabek 1467 Artikel
Brigitte Jäger-Dabek kennt Polen seit vielen Jahren und ist als freie Journalistin Polen-Expertin. Sie ist Autorin des preisgekrönten Buchs "Länderporträt Polen".