Verändert Katyn Russland?

Die Katastrophe von Smolensk und das Massaker von Katyn bestimmen nach wie vor die polnisch-russischen Beziehungen und haben in jüngster Zeit schrittweise begonnen, das Verhältnis der beiden Nachbarn zu verändern. So sehen es auch die wichtigsten polnischen Tageszeitungen.

Waclaw Radziwinowicz, der Moskau-Korrespondent der Gazeta Wyborcza zählt in der liberalen Tageszeitung die vielen russischen Versöhnungsgesten der letzten beiden Jahre zum Thema  Katyn auf. Das sei von Putins Auftritt auf der Westerplatte 2009, über Putins Kniefall auf dem Friedhof von Katyn im vergangenen Jahr, bis hin zur zweimaligen Ausstrahlung des bis dahin verbotenen Wajda-Films „Katyn“ im russischen Fernsehen zur besten Sendezeit. Als Gründe für diesen russischen Wandel sieht Radziwinowicz einmal die wachsende Bedeutung Polens in der EU sowie  den russischen Versuch, sich selbst vom Ballast des Stalinismus zu befreien. Für diesen Akt der Selbstbefreiung sei gerade Katyn zum Symbol geworden. Radziwinowicz kommentiert das als einen finalen Sieg der Opfer von 1940 über ihre Peiniger.

Die konservative Rzeczpospolita sieht einen Durchbruch in der Beurteilung des Katyn-Massakers durch die Russen. Weigerte sich Russland bisher noch die ermordeten polnischen Offiziere auch formal zu rehabilitieren, ist nun Bewegung in diese noch strittige Frage gekommen, verkündete der russische Botschafter in Polen Aleksandr Aleksiejew. Politisch seinen die Entscheidungen gefallen, dies nachzuholen. Nur die richtige juristische Formulierung für die Rehabilitierung der Soldaten müsse noch entworfen werden, so Aleksiejew. Wie die Rzeczpospolita schreibt,  spricht damit zum ersten Mal ein hochrangiger russischer Diplomat Rehabilitierung offen aus.

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Über Brigitte Jaeger-Dabek 1450 Artikel
Brigitte Jäger-Dabek kennt Polen seit vielen Jahren und ist als freie Journalistin Polen-Expertin. Sie ist Autorin des preisgekrönten Buchs "Länderporträt Polen".