Polen: Doch Druck auf die Piloten der verunglückten Präsidentenmaschine?

Nach dem privaten polnischen Fernsehsender TVN24 äußert auch die Tageszeitung Gazeta Wyborcza Zweifel an der Vollständigkeit der im Juni veröffentlichten Aufzeichnungen der Black Box aus der am 10. April bei Smolensk verunglückten Präsidentenmaschine. Damals starben der polnische Präsident, seine Ehefrau und 94 weitere Personen.

Bei den im Juni veröffentlichten Mitschriften waren größere Zeitpassagen der aufgezeichneten Gespräche als „unverständlich“ klassifiziert worden. Diese bisher unverständlichen Aufnahmen aus dem Cockpit der abgestürzten Präsidentenmaschine wurden nun von polnischen Experten entschlüsselt. Bisher gibt es noch keine offiziellen Angaben über den Inhalt der Aufzeichnungen. Das bestätigte Justizminister Krzysztof Kwiatkowski am Mittwoch in Warschau der Presse gegenüber, wollte jedoch keine Angaben zum Inhalt machen.

Auch den Bericht des polnischen Fernsehsenders TVN24 wollte er nicht kommentieren. Dort wurde gemeldet, dass die Stimme des Chefpiloten Arkadiusz Protasiuk zu hören gewesen sei. Wörtlich soll er gesagte haben: „Wenn ich nicht lande, werden sie mich umbringen“. Die Gazeta Wyborcza will eine Textpassage kennen, in der der Pilot um 8:16 Uhr eine ähnliche Aussage trifft. Das würde auch in die bisher bekannten Abläufe passen.

Die bisher bekannten Abschriften hatten zwar belegt, dass sich zwei Minuten vor dem Unglück Luftwaffenchef Andrzej Blasik im Cockpit aufgehalten habe. Nichts deutete aber darauf hin, dass er den Piloten unter Druck gesetzt hatte zu landen.

Auch erhielten die damals veröffentlichten Gesprächsprotokolle keinerlei Hinweis darauf, dass irgendjemand Druck auf die Piloten ausgeübte hat, unter allen Umständen in Smolensk zu landen.

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Brigitte Jäger-Dabek kennt Polen seit vielen Jahren und ist als freie Journalistin Polen-Expertin. Sie ist Autorin des preisgekrönten Buchs "Länderporträt Polen".