Polen: Start in die EURO 2012

Nationalstadion Warschau

Nationalstadion Warschau; Foto: Mateusz Wlodarczyk,

Was die polnische Fußball- nationalmannschaft betrifft, hat die Euphorie nach dem Eröffnungsspiel gegen den vermeintlichen Außenseiter Griechenland einen deutlichen Knick bekommen. Nationaltrainer Franciszek Smudas Auswahl bestätigte beim dürftigen 1:1 den großen Optimismus nicht und konnte der eigenen Nervosität nie Herr werden.

Das Eröffnungsspiel wurde am Samstag um 18:00 nach einer stimmungsvollen Einweihungsfeier im ausverkauften Warschauer Nationalstadion angepfiffen. Staatspräsident Broniwslaw Komorowski hatte der polnischen Mannschaft mit aufv den Weg gegeben, Polen sei ganz mit dem Team, wenn es auf dem  Rasen des Nationalstadions auflaufe. Inzwischen ist die erste der 31 anhängigen Partien der Fußball-Europameisterschaft in Polen und der Ukraine schon wieder Geschichte und brachte gleich die erste Überraschung des Turniers. Sah man nach dem 1:0 des Dortmunder-Startorschützen Robert Lewandowski in der 17. Spielminute noch alles im grünen Bereich 17. Minute, wich die Zuversicht mit zunehmender Spieldauer und dem griechischen Ausgleich durch Dimitrios Salpingidis in der 51.Minute dem Entsetzen unter den polnischen Fans.

Bis auf diesen Dämpfer der polnischen Aussichten in der Gruppe A, die mit Russland und der Tschechischen Republik noch starke Gegner für Polen sieht, klappt bisher alles gut. Die angereisten Fans sind zum weit überwiegenden Teil friedlich, und Polen hofft nun auf das polnische Sommermärchen, ähnlich wie es in Deutschland 2006 bei der WM war. Das Meer der rot-weißen Fahnen an polnischen Autos sehen Zeitungen wie die konservative Rzeczpospolita als Zeichen eines wiederbelebten polnischen Nationalstolz, man zeige damit die nationale Zugehörigkeit. Polska/The Times schreibt gar, man habe es dieser Tage in Polen mit einem Wunder zu tun, denn man starte ohne Komplexe und rundum glücklich ins Turnier. Das Blatt fordert seine Landsleute auf, sich zu freuen und Europa und die Welt ins Staunen zu versetzen.

Das polnische Team von Nationaltrainer Franciszek Smuda steht beim am Dienstag folgenden Spiel gegen Russland gewaltig unter Druck. Smuda muss obendrein den nach der Roten Karte gesperrten Torhüter Wojciech Szczesny ersetzen. Für ihn wird sein Ersatzmann Przemyslaw Tyton weiter zwischen den Pfosten stehen, der gegen die Griechen den der Roten Karte folgenden Elfmeter bravourös parierte.

Sportwettkämpfe gegen Russland sind in Polen immer von einer gewissen politischen Brisanz begleitet, besonders seit vor zwei Jahren der damalige polnische Präsident Lech Kaczynski bei einem Flugzeugabsturz bei Smolensk starb. Die Delegation bestand aus 96 Mitgliedern der Elite Polens und war auf dem Weg zu einer Gedenkfeier für das Massaker an Zehntausenden Polen  durch die sowjetische Geheimpolizei im Jahr 1942 zu gedenken. Noch heute kursieren in rechten polnischen Kreisen wilde Verschwörungstheorien und Schuldzuweisungen an Russland. Schwierig macht dieses Spiel aber vor allem das Datum. Der 12. Juni ist Russlands Nationalfeiertag und russische Fans haben bereits angekündigt, diesen Tag in Polen gebührend feiern zu wollen. Ausschreitungen sind also zu befürchten und sollen von einem gewaltigen Aufgebot an Sicherheitskräften schon im Ansatz unterbunden werden.

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Über Brigitte Jaeger-Dabek 1464 Artikel
Brigitte Jäger-Dabek kennt Polen seit vielen Jahren und ist als freie Journalistin Polen-Expertin. Sie ist Autorin des preisgekrönten Buchs "Länderporträt Polen".